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Blog Entry No. 51 – One of the Good Ones

Liebe Bücherfans im Internet,

ich dachte mir, um genial in das neue Jahr zu starten, schreib ich direkt über ein richtig gutes Buch. Deshalb jetzt hier eine Rezension zu One Of The Good Ones, die wahrscheinlich nicht allzu lang wird, weil es fast nichts am Buch zu beanstanden gibt. Viel Spaß.

Diese Woche geht es um One Of The Good Ones von Maika und Maritza Moulite. Ich habe die deutsche Hörbuchausgabe gehört, die mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt wurde. Sie wurde von Florence Adjidome gesprochen und umfasst etwas weniger als 11 Stunden Hörzeit. Ihr findet das Buch unter der ISBN 9783833744037, erschienen ist es am 10. November 2021.

Cover der deutschen Hörbuchausgabe.

Wie bei Felix Ever After wurde auch hier der Originaltitel als Titel für die deutsche Ausgabe belassen, was ich sehr gut finde, denn die Alternative „Eine von den Guten“ wäre an sich zwar auch möglich und denkbar, allerdings bringt die Englische Sprache den Vorteil mit sich, dass die Aussage ohne Geschlecht konstruierbar ist. Im Deutschen hingegen kann man den Titel nicht neutral formulieren, was aber wichtig wäre, da die Aussage dahinter, also der Grund, warum sich überhaupt für diesen Titel entschieden wurde, nicht geschlechtsspezifisch ist, sondern nur in diesem Fall an einer weiblichen Hauptrolle demonstriert wird.
Das Cover mag ich auch, da es Menschen zeigt, ohne Fotografien zu nutzen. Außerdem wird man direkt angeschaut, was eine viel intensivere Wirkung hat als eine andere Art des Covers (bspw. Landschaften oder Muster oder Ähnliches).

Klappentext: Ist es nicht genug, Mensch zu sein?!
Nach einer Demonstration wird die 17-jährige Schwarze Aktivistin Kezi verhaftet. Kurze Zeit später erhält ihre Familie die Information, dass Kezi bei einem Brand im Gefängnis ums Leben gekommen sei. Voller Trauer begeben sich ihre Schwestern Happi und Genny auf eine Reise, die eigentlich noch von Kezi geplant war. Quer durch die USA folgen sie dem sogenannten Green Book, einem Reiseführer, der Schwarzen Reisenden während der Zeit der Rassentrennung in den USA angab, wo sie unbehelligt tanken, essen oder übernachten konnten. Und Happi beginnt darüber nachzudenken, warum ihre Schwester nun zu einer Ikone der BLM-Bewegung wird.

Dieses Buch gehört zu denen, die ich am liebsten jeder Person, die mir begegnet in die Hand drücken würde, mit mindestens fünf Klebezetteln darauf, die allesamt dazu aufrufen, das Buch zu lesen. Nicht nur, dass unglaublich wichtige Themen behandelt werden und Perspektiven von People of Colour die Möglichkeit bekommen, gehört (oder gelesen) zu werden, One Of The Good Ones ist auch sehr vielschichtig. Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen wiedergegeben, was zu Beginn etwas irritierend war (vor allem wenn man nebenbei noch anderen Tätigkeiten nachgeht, wie ich es bei Hörbüchern oft mache, dadurch dass alle Perspektiven von der gleichen Person gelesen werden, habe ich dann manchmal den Wechsel nicht gleich bemerkt), sich aber als starke Bereicherung herausstellte, sobald man einmal drin war. Ab einem bestimmten Punkt greifen die Erzählstränge alle ineinander und ergeben nach und nach immer mehr Sinn, was zu vielen ‚Aha-Momenten‘ führte, die ich bei Büchern immer sehr genieße. Auch die Plot Twists waren bei diesem Roman einige der beeindruckendsten, die ich bisher erlebt habe.

Lest es alle! Oder hört es euch an, die Hörbuchvertonung ist sehr angenehm und authentisch. Lasst People of Colour zu Wort kommen, hört zu und helft dabei Diskriminierung zu bekämpfen. Ich habe noch nie so viel über Afro-Amerikanische Geschichte gelernt, ohne eine wissenschaftliche Arbeit zu lesen. Wir brauchen mehr Bücher mit PoC Stimmen! Vor allem sollten mehr weiß-privilegierte Menschen solche Bücher lesen und sich ihre Privilegien vergegenwärtigen. Ich nehme mich da selbst natürlich nicht raus, auch ich habe in vielen Hinsichten sehr viele Privilegien und noch viel zu lernen.
Aber in One Of The Good Ones wird nicht nur Rassismus thematisiert, sondern auch der Umgang der Kirche (vorrangig in den USA, aber das Problem besteht auch in sehr vielen anderen Ländern) mit Menschen der LGBTQIA+ Community. Die Art, wie der konkrete Konflikt beschrieben wurde, empfand ich als sehr emotional und realistisch, einfach gut geschrieben. Auch hier: bitte mehr davon!

Ich hoffe das Buch zeitnah auf euren To-Be-Read-Listen zu sehen! 😉

-alles liebe, Aly

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Blog Entry No. 49 – Felix Ever After

Liebe Leser*innen,

eine letzte Rezension für 2021 möchte ich euch nicht vorenthalten: Kacen Callenders Felix Ever After! Eigentlich wollte ich diesen Roman schon vor einer ganzen Weile in der Originalsprache lesen, aber so wirklich ergeben hat es sich nicht. Als dann aber die deutsche Ausgabe im Lyx Verlag erschien und auch direkt bei NetGalley zur Anfrage verfügbar war, gab es keine Ausreden mehr, ich musste es einfach lesen.

Cover der deutschsprachigen Ausgabe im Lyx Verlag

Felix Ever After wurde am 5. Mai 2020 bei Balzer + Bray veröffentlicht und erschien am 29.10.2021 in Deutschland beim Lyx Verlag. Kacen Callenders gewann bereits den Stonewall Book Award sowie den Lambda Literary Award und ist besonders für die preisgekrönten Bücher Hurricane Child, Queen of the Conquered und King and the Dragonflies bekannt. Der Roman, um den es in dieser Rezension gehen wird, wurde vom TIME MAGAZINE zu einem der 100 wichtigsten und einflussreichsten YA-Bücher gewählt und ist unter der ISBN 9783736316829 zu finden. Mir wurde ein Rezensionsexemplar von Netgalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

An diesem Cover gibt es zwei Aspekte, die ich sehr mag und hervorheben möchte: Zum einen bin ich ein großer Fan davon, wenn Cover den Inhalt des Buches aufgreifen, was in diesem Fall auch sehr offensichtlich gemacht wird, denn Felix malt in der Geschichte eine Reihe von Selbstportraits, unter anderem ein farbenfrohes, auf dem er eine Krone aus Blumen trägt. Zum anderen finde ich es auch schön, wie ähnlich das Cover der deutschsprachigen Ausgabe dem der Originalausgabe ist. Auch den Titel nicht zu verändern halte ich für eine gute Entscheidung, weil in diesem Fall sehr wahrscheinlich das Wortspiel komplett verloren gegangen wäre.

Das Cover der Originalausgabe, zu finden bei goodreads

Klappentext: Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt – die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans – die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft…

Felix Ever After war das erste Buch seit einiger Zeit, das ich innerhalb weniger Tage geradezu verschlungen habe. Der Schreibstil war super angenehm und authentisch, man konnte sich wirklich gut in die Geschichte einfühlen. Dadurch, dass die Handlung aus Felix‘ Perspektive geschildert wird, war außerdem die emotionale Nähe gegeben, die bei solchen Romanen einfach unerlässlich ist. Hinzu kommt, dass sich der Plot aus einer sehr gut ausbalancierten Mischung aus Romantik, Emotion, Spannung und wichtigen Themen zusammensetzt.

Wichtiger als über den Schreibstil zu reden, ist es aber den Inhalt zu thematisieren: Felix Ever After ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gute Repräsentation aussehen kann. Es war herzzerreißend, zu lesen, welch enorme Selbstzweifel Felix hat, weil er sich noch nie richtig verliebt hatte, Schwarz, trans* und queer ist und es trans*feindliche Menschen gibt, die ihm mitten ins Gesicht sagen, er wäre frauenfeindlich, weil er sich „entschieden“ hätte, nicht weiblich zu sein. [So viel Bullsh*t in einer Aussage und das von einer queeren „Feministin“, Buchcharaktäre haben mich selten so derart sauer gemacht!] Viel schlimmer noch war jedoch, zu wissen, dass das, was man da liest, für so so viele Menschen die grausame Realität ist. Es tut so weh zu wissen, dass es tatsächlich Personen gibt, die der Meinung sind, man würde sich für sein Geschlecht entscheiden, noch dazu, um dem Feminismus zu schaden. Es tut weh, zu wissen, dass tatsächlich immer noch Menschen enterbt und verstoßen werden, nur weil sie sich nicht entsprechend der cis-hetero-Norm verlieben. Es ist so schmerzhaft jedes Jahr aufs neue die Zahlen des Trans Murder Monitoring Projekts zu sehen, zu sehen, dass jedes Jahr mehr Menschen diskrimiert werden, Gewalt erfahren und umgebracht werden, weil sie trans*, Schwarz, indigen, of Colour und/oder queer sind (mehr Informationen findet ihr hier und hier).

https://transrespect.org/en/tmm-update-tdor-2021/

Genauso alarmierend ist es ebenso die Statistiken zur Suizidrate und Mentalen Gesundheit queerer junger Menschen zu sehen (Hier am Beispiel der USA: Trevor Project’s 2021 National Survey on LGBTQ Youth Mental Health).
Aber genau deshalb braucht es mehr Bücher wie Felix Ever After. Denn so schmerzhaft es war von dem Hass, dem Unverständnis und den dadurch verstärkten Selbstzweifeln zu lesen, so wohltuend war es so viele queere Menschen in einem Buch zu haben (das ist, nebenbei bemerkt, auch viel realistischer, queerios travel in packs, my dear), von dem, wie ich finde wirklich gut beschriebenen, Gefühl zu lesen, wenn man das Label findet, das tatsächlich zu der Art und Weise, wie man (sich) fühlt passt und vor allem Felix‘ Entwicklung zu erleben. Felix Ever After ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wirklich gute Repräsentation aussehen kann, bitte mehr davon! Außerdem lag der Fokus der Erzählung nicht nur auf der Romantik, sondern vor allem auch darauf, die eigene Identität, dein eigenen Weg zu finden und das in Jugendliteratur zu transportieren ist unglaublich wichtig. Es ist okay, wenn man sich nicht im Jugendalter verliebt, es ist okay, wenn man sich überhaupt nicht verliebt und es ist okay, die eigenen Ziele zur Priorität zu machen.

Felix Ever After ist ein unglaublich wichtiges (Young Adult) Buch, von welchem die Buchhandlungen und Bibliotheken ganz dringend mehr in den Regalen stehen haben sollten. Mein abschließendes Urteil also: Der Hype ist verdient!

– ganz viel Liebe, Aly

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Blog Entry No. 45 – Back again und Why We Matter

Liebe Leser*innen,

es ist Oktober, einer meiner Lieblingsmonate und es ärgert mich sehr, dass ich ihn bisher noch nicht so nutzen konnte, wie ich es liebe: in Decken und Kissen gekuschelt mit Kakao oder Chai-Latte und einem guten Buch während es draußen vor dem Fenster stürmt und regnet. Stattdessen bin ich umgezogen, habe ehrenamtlich bei der Tagung zum Synodalen Weg geholfen, habe meine neue Arbeit (im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes) begonnen und bin eine Woche zu einem Seminar gefahren. So sehr ich es liebe, ein aufregendes Leben zu haben, so sehr freue ich mich trotzdem jetzt auf ruhigere Tage. Um es gebührend zu feiern, dass es bald endlich wieder regelmäßige Blogbeiträge gibt, werde ich mit einem Jahreshighlight-würdigem Buch beginnen: Why We Matter von Emilia Roig.

Die Politologin und Aktivistin Dr. Emilia Roig ist eine renommierte Expertin für Intersektionalität, Vielfalt, Gleichberechtigung, Inklusion und Antidiskriminierung. Die 380 Seiten umfassende Hardcover Ausgabe ihres Buches Why We Matter – Das Ende der Unterdrückung erschien am 15. Februar 2021 im Aufbau Verlag. Das von Dr. Roig selbst gelesene Hörbuch wurde am 25. Juni diesen Jahres veröffentlicht und mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt. Ihr findet das Hörbuch unter der ISBN 9783961054244.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, verrät im Grunde nichts über den Inhalt des Buches (vom Titel natürlich abgesehen) und sticht trotzdem genau dadurch hervor. Meiner Meinung nach ist diese Gestaltung absolut passend für ein sachliches Buch wie dieses. Ich finde, nebenbei bemerkt, übrigens den Titel einfach großartig.

Klappentext: Wie erkennen wir unsere Privilegien? Wie können Weiße die Realität von Schwarzen sehen? Männliche Muslime die von weißen Frauen? Und weiße Frauen die von männlichen Muslimen? Die Aktivistin und Politologin Emilia Roig zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie, in der wie unter einem Brennglas Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homophobie und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen –, wie sich Rassismus im Alltag mit anderen Arten der Diskriminierung überschneidet. Ob auf der Straße, an der Uni oder im Gerichtssaal: Roig schafft ein neues Bewusstsein dafür, wie Zustände, die wir für „normal“ halten – die Bevorzugung der Ehe, des männlichen Körpers in der Medizin oder den Kanon klassischer Kultur – historisch gewachsen sind. Und dass unsere Welt eine ganz andere sein könnte. „Emilia Roig deckt die Muster der Unterdrückung auf und leitet zu radikaler Solidarität an. Sie zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie –, wie Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homofeindlichkeit und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen. „Radikal und behutsam zugleich. Dieses Buch ist ein heilsames, inspirierendes Geschenk.“ Kübra Gümüsay „Die Antwort auf viele Fragen unserer unsicheren Zeit heißt: Gleichberechtigung aller. Und dieses großartige Buch ist ein Schritt auf dem Weg dahin.“ Sibylle Berg „Dieses Buch wird verändern, wie Sie die Welt wahrnehmen und Sie verstehen lassen, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet.“ Teresa Bücker

Dieses Hörbuch zu hören war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe sehr sehr viel über mich, meine Wahrnehmung, die Gesellschaft in der ich lebe und das komplexe Zusammenspiel von verschiedensten Diskriminierungsformen gelernt und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass mir zumindest ein Stück weit die Augen geöffnet wurden, sodass ich nun hoffentlich diskriminierende Situationen besser erkenne und angemessener handeln kann. Ein einzelnes Buch kann natürlich leider keine Wunder bewirken, aber Why We Matter trägt einen bedeutenden Teil zu einer aufgeklärteren Gesellschaft bei. Außerdem ist es nicht trocken und faktengeladen geschrieben, Roig erhebt keinen Anspruch auf absolute, objektive Wahrheit (zu der Thematik gibt es auch ein wirklich interessantes Kapitel), sondern verwebt ihre Aussagen mit persönlichen Erfahrungen, wodurch es authentisch bleibt und man sich besser einfühlen kann. Zudem bewirkt es hinsichtlich der Authentizität und Sympathie auch viel, dass die Autorin ihr Buch selbst liest.

Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie großartig ich dieses Buch fand. Lest es alle! Why We Matter ist definitiv ein fester Kandidat für meine persönlichen Jahreshighlights, schon einfach weil ich so viel gelernt habe, das Thema so unglaublich wichtig ist und trotz der hohen Komplexität alles verständlich, inspirierend und berührend geschrieben wurde.

Ich hoffe Why We Matter bald auf eurer aller tbr-Listen zu sehen und wünsche euch ein paar schöne Herbsttage,
Aly

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Blog Entry No. 31 – Mädchen, Frau etc.

Liebe Leser*innen,

in der letzten Woche haben Bernadine Evaristos Worte nicht nur mein elektronisches Bücherregal (an dieser Stelle vielen Dank an NetGalley, wodurch ich dieses großartige Buch als eBook lesen durfte), sondern auch mein Bewusstsein und meinen Geist bereichert. Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Mädchen, Frau etc. kaufen wollt, kann ich euch versichern, dass die darin geschilderten Perspektiven jeden Cent wert sind.

Das Cover ist mit Abstand eines der farbenfrohsten meines Regals und die starken, gesättigten Farben stehen im Kontrast zu der schwarz-weißen Gestaltung der Schrift und der Silhouette. Trotz der zahlreichen Kontraste (Schwarz/Weiß; Komplementärfarben Violett/Gelb; verschiedenste Formen, usw.), den klaren Linien und den satten Farben, was insgesamt sehr viel Energie und Kraft ausstrahlt, erscheint das Cover harmonisch und ist angenehm zu betrachten. Meiner Meinung nach passt diese Gestaltung perfekt zum Inhalt des Buches, zu den vielen verschiedenen Geschichten von starken, unabhängigen, wundervollen Frauen. Müsste ich nur nach dem Cover entscheiden, welche Bücher ich lese, hätte dieses auch dann den Weg in meine Hände gefunden.

Mädchen, Frau etc. von Bernadine Evaristo erschien am 23. Januar 2021 im Klett-Cotta Verlag, nachdem das britische Original bereits am 2. Mai 2019 veröffentlicht wurde und noch im selben Jahr, neben weiteren, späteren Preisen, den Booker Prize erhielt. Ihr findet das Buch unter der ISBN 978-3-608-50484-2.

Evaristo beschreibt in ihrem Roman die Lebensgeschichten von 11 Frauen und einer Person, welche sich als non-binary identifiziert und in einem weiblichen Körper geboren wurde. Jede Person erhielt ihr eigenes Unterkapitel, in welchem dann die Ereignisse aus der Perspektive dieses Menschen geschildert wurden, oft auch in einer für diesen typischen Sprache, wodurch die Charaktere authentisch wirkten. Jedoch standen alle Kapitel in einem Zusammenhang: Zentrum der Handlung war im wesentlichen die Premiere des von Amma inszenierten Stücks: „Die letzte Amazone von Dahomey“. Alle Personen, welche für ein Unterkapitel die Hauptperson waren, waren entweder bei der Premiere anwesend, lasen davon oder waren mit jemandem verwandt, der dort war. Abgesehen von Penelope identifizierte sich auch kein Charakter als weiß, alle wurden entweder selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren oder hatten enge Verwandtschaft, für die das zutraf.

Inhaltlich stellt Mädchen, Frau etc. einen herausragenden, wichtigen und längst überfälligen Einblick in das Leben von Frauen dar, die mit sehr viel Leid, Verlust und Diskriminierung leben mussten und müssen. Außerdem wird mehr als deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Haltung von Menschen sein kann, die eigentlich das Gleiche erreichen wollen. Besonders gut hat mir aber die Gegenüberstellung der verschiedenen Generationen gefallen, die zum einen die Entwicklung der Gesellschaft sehr deutlich gemacht hat, aber zum andern auch darauf aufmerksam macht, den älteren Generationen zuzuhören, aus ihren Erfahrungen zu lernen und zu versuchen sie zu verstehen. Meiner Meinung nach schuf Evaristo mit diesem Roman ein hochpolitisches Werk, das Augen öffnet und dazu aufruft, den Fokus auf die wesentlichen Werte, auf deren Herstellung und Wahrung fast alle Bewegungen hinarbeiten, nicht zu verlieren.

Obwohl dieses Werk inhaltlich großartig und schwer von Bedeutung ist, kann ich leider trotzdem keine 5 von 5 Sterne vergeben. Der Schreibstil hat mir besonders zu Anfang Probleme bereitet. Man findet außer Kommas, Frage- und Ausrufezeichen keinerlei Satzzeichen. Sätze sind als Absätze gekennzeichnet und wörtliche Rede war lediglich am Wechsel der verwendeten Personalpronomen zu erkennen. Natürlich zeigt dies eine spezielle, fast schon poetische Stilistik, jedoch habe ich mich bis zum Ende nicht völlig daran gewöhnen können. Deshalb konnte ich während des Lesens nicht so in die jeweilige Geschichte eintauchen, wie es bei anderen Büchern möglich ist und brauchte mehrere Anläufe mich zu motivieren, weiter zu lesen. Das ist bei einem Buch mit so wichtigem Inhalt extrem schade.

Dennoch bleibt Mädchen, Frau etc. ein sehr gutes Buch mit einer zweifellos wirklich wichtigen Thematik. Trotz des anstrengenden Schreibstils, sollte jeder diesen Roman mindestens einmal gelesen haben und sich die Bedeutung dieser keineswegs selten vorkommenden Geschichten und Ereignisse bewusst machen. Diese Worte Bernadine Evaristos sind eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

Ich hoffe Euch geht es gut und ihr könnt die kommende Woche genießen,
Aly

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Blog Entry No. 29 – Full Disclosure

Dear Readers,

have you ever read a book that made you wonder how you could walk through society with your eyes closed until now? Well, I truly hope so for you. If not, you maybe should consider reading Full Disclosure by Camryn Garrett. This book, published in 2019 in Great Britain by Penguin Books, isn’t just a great bestseller. It’s eye-opening, honest (at least it feels honest) and relatable.

To be frank, I usually don’t like photographs as cover, but this one – taken by Theodore Samuels – fits the novel pretty well. It’s unobtrusive, nearly shy, but still beautiful. It portrays the main character extremely good, I think. The title and the authors name seem to scream, because of the bright colour and therefore build an intense contrast to the calm blue in the background.

Full Disclosure is told by the main character Simone. She is finally happy again at her new school, after she was hated badly at her old one, because the students and parents found out that she’s HIV-positive. She has found her beloved, two, best friends – Claudia and Lydia -, she’s directing the school musical Rent and she’s making out with Miles, the attractive boy, who helps with the musical’s set. Simone is happy, full of questions about having sex with HIV, but happy. But as she finds an anonymous note in her locker that threatens to tell everyone that she’s positive, her world is standing upside down again and definitely not in a good way…

Full Disclosure is probably the first Highschool-novel that actually taught me something. I mean a way of understanding a perspective I definitely can’t relate to, because I’m luckily not affected by the issues black people and people with HIV have in society. I’m glad that I found this novel, because it showed me that there are things I will, I can never understand, since I’m one of the privileged, healthy, white folks that urgently need to be told what it’s like to be affected by racism and ignorance. This topic is highly complicated, amongst other things, because it’s an emotional one that involves many different, individual experiences as well as a complex history and a lot of ignorance and unreasonable fear. I get confused about the whole matter frequently, but I try to understand. I’m sorry for everyone I might have hurt because of my own ignorance. I think we all should communicate more and in a healthier way. Listen to what the people have to say. Listen to how they feel and I guess then there will be at least a chance to improve, to understand and to stop the sorrow. Full Disclosure is – in my opinion – a book, that explains to the reader in a subtle, sensitive way, how it feels to be hated and not understood. The story is told by Simone, so one gets to know her thoughts while reading, which helps enormously to realize, why she’s reacting in the way she does. She’s a character that develops and that is independent which leads to a perception of her as an authentic person. Additionally, all the supporting characters are drawn in a deep and original way with their own problems, that get discussed and aren’t just ignored like in other novels.

All in all it’s a gorgeous book with great characters and important matters. It discusses the perception of HIV-positive, of black and of queer people and doesn’t forget the „simple“ matters of growing up. No matter if one likes Young Adult or romantic novels, I think everyone, but especially all the privileged, white, healthy, ignorant people should read Full Discosure at least once in a lifetime, but actually as soon as possible.

Have a great week,
Aly

Blog, Reviews

Blog entry No. 28 – White All Around

Dear Readers,

the review of this week will be a rather short one. I’m gonna show you what the book is about and what I think about it. No talk about the cover or any analytical parts. I’m sorry about this short version, but I’m pretty stressed out in the moment, so this is sort of a compromise between not writing at all and getting stressed caused anxiety because of not having enough time for my actual work. I hope you like it anyway.

Cover from the ePub version by Europe Comics I got from NetGalley in exchange for a review.

White All Around by Wilfrid Lupano (Writer) and Stephane Fert (Artist and Colorist) is the first graphic novel I read besides the Batman comics from the DC Universe (in Germany published by Panini Comics). It is the first one, but it will definitely not be the last one. It’s great to see what art can deliver and to have a bit of variety to usual novels. It was published on 20th January 2021 as an eBook with 140 pages.

What is White all Around about? (Summary found on Goodreads)
Canterbury, Connecticut, 1832: a charming female boarding school has found success among the locals, with two dozen girls enrolled. Some in town question the purpose of educating young girls—but surely there’s no harm in trying? At least not until the Prudence Crandall School announces its plans to start accepting black students. Thirty years before the abolition of slavery in the United States, in the so-called “free” North, these students will be met by a wave of hostility that puts the future of the school in question, and their very lives in peril. Even in the land of the free, not all of America’s children are welcome.

My Opinion: White All Around is no character based story. It doesn’t tell thoughts and the development of one or more characters, instead historical facts have been incorporated in an appealing and fulfilling way. I was shocked about the intolerance of the people in the town and knowing that this is based on real actions, makes it even worse. But I think that’s exactly what historical literature should do: It should raise attention for the issues and errors of the past times to avoid them in the present and future. This graphic novel opens eyes for racism, sexism and intolerance in general, which needs to be done more often. An appropriate Fore- and Afterword provides background knowledge about the setting and situation of the story. All in all it’s a greatly drawn graphic novel, which hopefully may invite more people to read about historical events.

Have a gorgeous week,
Aly

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Blog Entry No. 27 – Clap When You Land

Dear Readers,

today’s review will be about a new favorite book of mine. I saw it on bookstagram, in a post about young adult books recommended for black history month. After reading the description I decided nearly instantly to buy it. Now, after a bit more than a week reading this incredible piece, it became one of my favorite books, I like it even better than Every Day by David Levithan. I’m talking about Clap When You Land, a novel-in-verse, written by National Book Award-winning and New York Times bestselling author Elizabeth Acevedo.

The Cover of the hardcover edition (published by HarperTeen): https://www.goodreads.com/book/show/52516332-clap-when-you-land

The only tough decision I connect with that novel, is which version I should buy. I really like the cover of the hard-cover book, but I often find paperbacks more comfortable. Also, they’re cheaper (don’t get me wrong, I like to support authors, but I don’t have that much money to spend on books every month, so I think that’s a fair compromise). After all, both covers show the main characters somehow divided and are beautifully designed. Both the hardcover’s drawn style and the paperback’s digital designed cover-images are amazing and in it’s simplicity contrary to the highly emotional story.

Clap When You Land by Elizabeth Acevedo is about Camino, a young girl living in the Dominican Republic. Her father visits her every summer, but this year everything is different, just because of one event: On the day when his plane is supposed to land, Camino meets crowds of crying people when she arrives at the airport. The plane crashed. But she’s not the only girl who mourns for her father: Yahaira, living in New York, is told in the principal’s office that her father, her hero, died in a plane crash on the flight he takes every year in the summer to the Dominican Republik. Both girls need to learn the secrets their father had. They need to get along in a new, forever altered reality. But maybe there is hope to not be alone with this grief anymore. Maybe there is hope in finding a sister and in fighting for their dreams.

Personally, I love reading poetry and novels, so this novel-in-verse was a perfect mixture. Honestly, it was beautifully written without being overwhelming poetry-metaphor-language, if you know what I mean. The style supported the plot and the emotions perfectly well. It was written from two perspectives, Camino’s and Yahaira’s. I read some reviews by people, who said the characters have been to similar to tell them apart, but I totally disagree. Even when the name wasn’t written above the part anymore, I could instantly say, who tells the story at that point because everything was written logically all the time and I found those two characters very different. Also, the novel addresses issues, I think people should talk more about. Men, who think girls are their property, for instance. Clap When You Land contains LGBTQ+ content as well, but without making a fuss about it and I love it this way (of course I know that’s definitely not the norm, even in modern society, and it should be talked about more in order to get tolerated on a larger scale, but I wish it could be that easy). In this story it’s just normal and not really a problem, being gay and I think this is the way it should be: people love people, let them love each other, why does the gender matter?

So all in all, I really loved reading this book and will never regret buying it. As soon as I finish some other books on my current reading list, I’m gonna read „Poet X“ or „With The Fire On High“ by Elizabeth Acevedo. I’m looking forward to it!

I hope you’re well!

Yours,
Aly

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Blog Entry No. 20 – Wir leuchten

Liebe Leser,

das Buch, um das es mir heute gehen soll, bedeutet für mich einige Erste-Male. Ich habe zum ersten Mal ein Buch vorbestellt (und es noch vor der offiziellen Veröffentlichung gelesen), es ist das erste persönlich und überhaupt signierte Buch in meinem Bücherregal und ich werde am 19. 02. 21 zum ersten Mal eine Lesung (wenn auch nur online) besuchen. Umso passender, dass es in eben diesem Roman unter anderem auch um Erste-Male geht: Der erste Roadtrip, das erste Mal betrunken, die erste Diskussion mit einem Ex-Nazi und die erste Freundschaft mit Pakistani, nur um ein paar wenige zu nennen. Wir leuchten ist außerdem der Debutroman Joe Rains, wie passend. ^^

Joe Rain fing während ihres Abiturs an, ihren ersten Roman zu schreiben. Gestern, nach etwas mehr als vier Jahren Überarbeitung, einer bestandenen Feuerprobe auf Wattpad und all dem was eben zu der Veröffentlichung eines Buches dazugehört, ist Wir leuchten endlich offiziell im Wreaders Verlag erschienen. Für alle, die noch überlegen, ob dieses Buch das richtige für sie ist, noch nie davon gehört haben oder es vielleicht schon gelesen haben und einfach noch andere Meinungen lesen wollen, hier meine Rezension und Weltsicht. Viel Spaß. 🙂

Wie immer, zuerst das Cover: Ich muss sagen, ich liebe die Stimmung, die es ausstrahlt. Die warmen Farben lassen es irgendwie gemütlich wirken und der Pick-up, die Berge, der Wald und die Sonne strahlen die pure Abenteurer-Atmosphäre aus. Außerdem passen der irgendwie fast schon minimalistische Comic-Zeichen-Stil und die schlichte Schriftart gut zueinander, was zusammen mit den harmonierenden Farben ein sehr angenehmes Bild ergibt. Ich muss aber leider zugeben, dass ich erstmal googlen musste, wie Pick-ups aussehen, weil im Buch eindeutig fünf Personen in das Auto passen und ich mir das bei dem Bild auf dem Cover wirklich nicht vorstellen konnte. 😅
Mittig am unteren Rand sieht man auch das Logo des Wreader Verlags und sonst verliere ich nicht besonders viele Worte über den betreffenden Verlag, aber dieses Logo ist einfach das schönste, das ich bisher irgendwo gesehen habe, weshalb es einfach eine extra Erwähnung verdient.

Wir leuchten wird von Estelles Perspektive erzählt. Estelle, die Meinungslose. Sie erzählt von ihrem durchschnittlichen Leben, von ihrer beendeten Beziehung und ihren schlechten Noten im Schulhalbjahr 12/1. Bis sie auf einer Party Isy kennenlernt und spontan entscheidet wegzulaufen. Irgendwohin, nur Hauptsache weg von ihrem alltäglichen, erdrückenden Leben.

Ab dem Punkt verändert sich alles. Ein Pick-up wird geklaut und der Besitzer mit einem High-heel K.O. geschlagen. Als dieser sich jedoch entscheidet, einfach mitzukommen, beginnt ein Roadtrip voller politischer Diskussionen, philosophischer Statements und neuer Freundschaften. Gemeinsam mit Estelle wird dem Leser, das Konfliktpotential von „Politik“ näher gebracht. Man lernt, die Hauptperson begleitend, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu verteidigen und dass man auch erhobenen Hauptes nachgeben kann. Wir leuchten ist eine Geschichte von Fremden, die zu besten Freunden werden, auf ihrem Weg noch mehr fremde Freunde treffen und mit Musik und einem orangenen Pick-up vor ihrem alten Leben davon fahren.

Beim Lesen sind mir vor allem zwei Aspekte aufgefallen: Estelle und ich würden uns wahrscheinlich ständig streiten und viele Charaktere haben einen Beinamen. Isy, die Kommunistin, die Verrückte. Estelle, die Meinungslose. Daniel, der Nazi, der Rechtsdenkende. Max, der Angeber. Jens, der Glatzkopf.

Angesichts dessen, dass ich zu den meisten politischen, gesellschaftlichen und historischen Themen eine Meinung habe und es liebe, diese auszudiskutieren und zu verteidigen, empfand ich Estelles Einstellung zu Beginn des Buchs als sehr anstrengend, da ich sie zwar verstehen, aber nicht nachvollziehen kann. Da es jedoch genau diese Unwissenheit, bzw. Meinungslosigkeit ist, die die politischen Diskussionen dem Leser näher bringt und „Politik“ nahbar macht, kann ich gut mit Estelles Charakter leben. Schließlich sind es ja auch eben die verschiedenen Perspektiven und Grundlagen, die Diskussionen spannend machen, weshalb ich mir während des Lesens auch oft gewünscht habe, in den Roman reisen zu können, um meine Meinung mit den drei, später fünf Hauptcharakteren teilen zu können.
Unabhängig davon störe ich mich aber auch etwas an ihrer Vorstellung, Menschen ändern zu können. Estelle beschreibt mehrfach, wie gern sie Daniels Meinung ändern würde, meint an einer Stelle, sein Gedanke wäre nur wie eine Krankheit, die sie wegheilen könne und wünscht sich, er wäre mehr wie sie. Natürlich verstehe ich ihren Wunsch, ihn mit rationalen Argumenten von seinen grausam klingenden Theorien abzubringen und von einer „humaneren“ Meinung zu überzeugen, schließlich ist es genau das, was jeder Diskutierende mit seinem Gegenüber versucht. Man will die eigene Ansicht vertreten und verbreiten, weil man sie, zumindest zu Beginn einer Diskussion, für richtiger hält. Jedoch glaube ich nicht, dass man eine Person von Grund auf ändern kann oder mit diesem Ziel an eine menschliche Interaktion herangehen sollte. Man kann dem Gegenüber mehr Informationen und Sichtweisen darlegen, aber welche Schlüsse Derjenige daraus zieht, kann man nicht beeinflussen, vor allem dann nicht, wenn man nicht weiß warum eine Person denkt und handelt, wie sie es tut. Umso besser finde ich es aber, dass Estelle in den meisten Diskussionen zwischen Isy und Daniel als Vermittlerin auftritt und die beiden daran erinnert, dass man manchmal auch einfach verschiedener Meinung ist und keinen zufriedenstellenden Kompromiss findet.
Ich fand einfach über das ganze Buch hinweg nicht wirklich einen Draht zu Estelle, weil sie durch ihre starke Entwicklung relativ schwer einzuschätzen ist und wir wahrscheinlich einfach eine völlig gegensätzliche Art haben, die Welt zu betrachten, was ja aber nicht unbedingt schlecht ist.

Die Verwendung von Beinamen, welche direkt dazu führt, dass man sich die Personen lebhafter vorstellen kann und sie besser im Gedächtnis bleiben, führt mich zum Schreibstil: Joe Rain gestaltete die Geschichte sehr bildlich. Während ich Wir leuchten gelesen habe, ließ mich das Buch jede Emotion mehrfach durchleben. Ich habe gelacht, geweint, geflucht, wurde verletzt und habe verziehen. Ich habe mich über Aussagen aufgeregt und manchmal kurz danach innerlich einem Charakter dafür gedankt, meinen Gedanken ausgesprochen zu haben. Ich hatte Angst und war verwirrt. Alles war vertreten. Diesen Roman zu lesen, war wie selbst auf diesen Roadtrip zu gehen und neue Freunde zu finden. Trotz aller Differenzen, die Debatten über Themen, wie sie hier angesprochen werden, immer offen legen, habe ich Estelle, Isy, Daniel, Tahreem und Majid in mein Herz geschlossen. Ich habe mit Arnold mitgefühlt und mich von der Dankbarkeit für Ellie durchströmen lassen. Es war eine spannende Reise, geleitet von der Idee eines Treffens zwischen einem Nazi und einer Kommunistin.

Wir leuchten ist ein weiteres Buch, welches ohne Notizen und Post-its in meine Hände fiel und mit zahlreichen markierten Zitaten und Szenen in mein Bücherregal einzieht. Meiner bisherigen Erfahrung nach, zeigen viele Klebezettel am Rand eines von mir gelesenen Werkes, wie tiefgründig, wunderschön und/oder diskutabel und somit wieder interessant es ist. Farblich unterschied ich dieses Mal zwischen „würde ich gern diskutieren/dazu würde ich gern meine Meinung mitteilen“ in orange, „wunderschön, einfach durch und durch schön“ in blau und „finde ich kritisch“ in gelb, wobei ich meine gelb markierten Punkte in dieser Rezension schon beinahe vollständig genannt habe. Um euch zumindest ansatzweise an meiner Gedankenwelt zu einigen Textstellen teilhaben zu lassen, ohne einzelne Beiträge zu jedem Thema zu schreiben (vielleicht mach ich das im Laufe der Woche noch, je nachdem wie viel Zeit sich findet), werde ich einfach thesenartig meine Meinung oder meine Lieblingszitate auflisten.

Alf hat zwar an sich nichts mit dem Buch zu tun, aber ich fand dieses Bild einfach wirklich niedlich ^^

Meine Gedanken zu Orange:
Jemanden K.O. zu schlagen, sodass er für mehrere Minuten bewusstlos ist, hat, soweit ich weiß, schwere Hirnschäden zur Folge. (Selbst Boxer, die mehrfach sehr hart getroffen werden, bleiben selten bewusstlos liegen. Über Situationen des K.O. – Schlagens wundere ich mich in Büchern und Filmen häufiger, da sie für die Geschichte meist unerlässlich, aber fast nie realistisch sind, obwohl man natürlich argumentieren kann, dass das fiktive Werke sind.)
Es gibt keine richtige Meinung.
An mehreren Stellen ist mir aufgefallen, dass, besonders von Isy, aber auch von den anderen hin und wieder, so gut wie nie zwischen gleich und gerecht unterschieden wird. Diese Unterscheidung ist aber extrem wesentlich für viele ihrer Diskussionen.
„Angst und Liebe sind die beste Motivation, die es gibt.“ Arnold hat recht.
Man hat nicht immer die Wahl.
In einer gerechten Gesellschaft kann nicht jeder das gleiche besitzen.
Das demokratisch bestimmte Gesetz definiert, was kriminell ist. Wenn Isy also für eine neue Gesellschaft den Widersachern ihre Menschenrechte absprechen will, wonach beurteilt sie dann, dass sie wirklich Kriminelle sind, mit welchem Recht entscheidet sie, wer es verdient hat bestraft zu werden? In dem Punkt gebe ich Daniel recht, sie widerspricht sich.
Ich stimme Daniel zwar zu, dass die Natur wertvoller sei als der zerstörerische Mensch, jedoch glaube ich, dass sich der Mensch selbst vernichtet, weil er unfähig ist das eigene, grundlegende Wesen zu verändern.
„Wir sind alle individuell. […] Es gibt nicht genug Schubladen, um uns zu trennen.“ Isy spricht sehr wahre Worte an dieser Stelle.

Zwei kurze Sätze zu dem letzten übrigen gelben Zettel: Ich verstehe Menschen nicht, die Lebensmittel vernichten, nur weil sie auf feuchte Erde gefallen sind. Es ist nicht wahr, dass Schüler*innen mit einem 1,0er Abitur ihre ganze Freizeit mit dem Lernstoff verbringen.

Ein paar blau markierte Zitate:
„Ob diese Gefühle jetzt jemand anderen befallen? Oder lösen sie sich einfach so auf? Verschwinden sie in der Luft, mischen sich unter die dunklen Bäume und die abgefallenen Herbstblätter, fliegen hoch in den Himmel und werden von Galaxien und Sonnensystemen verbrannt, verwandeln sich in Sternenstaub?“ – Estelle
„Wir sind wie dieser Ast. Wir sind genauso zerbrechlich und trotzdem stark. Wir lieben das Risiko, ins Wasser zu fallen. Trotzdem versuchen wir immer wieder aufzusteigen und nach oben zu wachsen. Unsere Gedanken sind unsere Zweige, die oben und unten austasten, bevor wir uns entscheiden.“ – Daniel
„Sie strahlt mich an und ich strahle zurück. Sind wir nicht alle wie vereinzelte Sonnen? Alle in diesem Raum einzelne Sterne, die sich zu einem Universum zusammenfinden? Der Mond ist die Musik, die Erde unser Licht, das Dunkel der alles übertönende Bass, der unsere Herzen zusammenbringt.“ – Estelle

Dieses Buch, Wir leuchten, ist großartig. Es vereint Gefühle, Philosophie und Menschenliebe mit spannenden politischen und historischen Debatten. Es bringt mich dazu, die Charaktere immer und immer wieder zu hinterfragen und trotzdem ihre Erlebnisse und Emotionen zu teilen. Es ist ein Buch mit Tiefe, eines das zum Nachdenken anregt, genauso wie es eines der Romantik und Freundschaft ist. Es lädt dazu ein, dem eigenen Leben hin und wieder zu entfliehen und sich trotzdem seinen Ängsten zu stellen. Wir leuchten ist wahrscheinlich das erste Buch, bei dem ich mich genauso oft über Aussagen oder Verhaltensweisen aufgeregt habe, wie ich mit den Menschen mitgefühlt habe. Genau diese Mischung macht es real, es fühlt sich echt an.

Das Buch kam zusammen mit vielen supersüßen Extras an. Einige seht ihr hier auf dem Bild (ich habe mich sofort in den kleinen Tintenfischsticker vom Wreaders Verlag verliebt). Doch das Beste waren nicht die Sticker oder die Lesezeichen, das Beste waren die lieben Worte im beigelegten Brief der Autorin. Liebe Joe, ich danke dir von Herzen für die kleine Geschichte. Manchmal ist es eine Fremde, die einem genau das sagt, was man gerade hören muss.

Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass Wir leuchten das erste signierte Buch in meinem Bücherregal ist. Die Vorfreude und Ungeduld nach der Bestellung hat sich für jede Seite gelohnt und ich freue mich schon darauf, es in Zukunft aus dem Regal nehmen und jeder Zeit noch einmal lesen zu können. Meiner Meinung nach, sollte jeder, ganz besonders die politikverdrossenen Meine-Stimme-macht-doch-sowieso-keinen-Unterschied-Nicht-Wähler, Joe Rains Wir leuchten mindestens einmal gelesen haben.

Ich hoffe, euch geht es gut,
Aly