Blog, Reviews

Blog Entry No. 51 – One of the Good Ones

Liebe Bücherfans im Internet,

ich dachte mir, um genial in das neue Jahr zu starten, schreib ich direkt über ein richtig gutes Buch. Deshalb jetzt hier eine Rezension zu One Of The Good Ones, die wahrscheinlich nicht allzu lang wird, weil es fast nichts am Buch zu beanstanden gibt. Viel Spaß.

Diese Woche geht es um One Of The Good Ones von Maika und Maritza Moulite. Ich habe die deutsche Hörbuchausgabe gehört, die mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt wurde. Sie wurde von Florence Adjidome gesprochen und umfasst etwas weniger als 11 Stunden Hörzeit. Ihr findet das Buch unter der ISBN 9783833744037, erschienen ist es am 10. November 2021.

Cover der deutschen Hörbuchausgabe.

Wie bei Felix Ever After wurde auch hier der Originaltitel als Titel für die deutsche Ausgabe belassen, was ich sehr gut finde, denn die Alternative „Eine von den Guten“ wäre an sich zwar auch möglich und denkbar, allerdings bringt die Englische Sprache den Vorteil mit sich, dass die Aussage ohne Geschlecht konstruierbar ist. Im Deutschen hingegen kann man den Titel nicht neutral formulieren, was aber wichtig wäre, da die Aussage dahinter, also der Grund, warum sich überhaupt für diesen Titel entschieden wurde, nicht geschlechtsspezifisch ist, sondern nur in diesem Fall an einer weiblichen Hauptrolle demonstriert wird.
Das Cover mag ich auch, da es Menschen zeigt, ohne Fotografien zu nutzen. Außerdem wird man direkt angeschaut, was eine viel intensivere Wirkung hat als eine andere Art des Covers (bspw. Landschaften oder Muster oder Ähnliches).

Klappentext: Ist es nicht genug, Mensch zu sein?!
Nach einer Demonstration wird die 17-jährige Schwarze Aktivistin Kezi verhaftet. Kurze Zeit später erhält ihre Familie die Information, dass Kezi bei einem Brand im Gefängnis ums Leben gekommen sei. Voller Trauer begeben sich ihre Schwestern Happi und Genny auf eine Reise, die eigentlich noch von Kezi geplant war. Quer durch die USA folgen sie dem sogenannten Green Book, einem Reiseführer, der Schwarzen Reisenden während der Zeit der Rassentrennung in den USA angab, wo sie unbehelligt tanken, essen oder übernachten konnten. Und Happi beginnt darüber nachzudenken, warum ihre Schwester nun zu einer Ikone der BLM-Bewegung wird.

Dieses Buch gehört zu denen, die ich am liebsten jeder Person, die mir begegnet in die Hand drücken würde, mit mindestens fünf Klebezetteln darauf, die allesamt dazu aufrufen, das Buch zu lesen. Nicht nur, dass unglaublich wichtige Themen behandelt werden und Perspektiven von People of Colour die Möglichkeit bekommen, gehört (oder gelesen) zu werden, One Of The Good Ones ist auch sehr vielschichtig. Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen wiedergegeben, was zu Beginn etwas irritierend war (vor allem wenn man nebenbei noch anderen Tätigkeiten nachgeht, wie ich es bei Hörbüchern oft mache, dadurch dass alle Perspektiven von der gleichen Person gelesen werden, habe ich dann manchmal den Wechsel nicht gleich bemerkt), sich aber als starke Bereicherung herausstellte, sobald man einmal drin war. Ab einem bestimmten Punkt greifen die Erzählstränge alle ineinander und ergeben nach und nach immer mehr Sinn, was zu vielen ‚Aha-Momenten‘ führte, die ich bei Büchern immer sehr genieße. Auch die Plot Twists waren bei diesem Roman einige der beeindruckendsten, die ich bisher erlebt habe.

Lest es alle! Oder hört es euch an, die Hörbuchvertonung ist sehr angenehm und authentisch. Lasst People of Colour zu Wort kommen, hört zu und helft dabei Diskriminierung zu bekämpfen. Ich habe noch nie so viel über Afro-Amerikanische Geschichte gelernt, ohne eine wissenschaftliche Arbeit zu lesen. Wir brauchen mehr Bücher mit PoC Stimmen! Vor allem sollten mehr weiß-privilegierte Menschen solche Bücher lesen und sich ihre Privilegien vergegenwärtigen. Ich nehme mich da selbst natürlich nicht raus, auch ich habe in vielen Hinsichten sehr viele Privilegien und noch viel zu lernen.
Aber in One Of The Good Ones wird nicht nur Rassismus thematisiert, sondern auch der Umgang der Kirche (vorrangig in den USA, aber das Problem besteht auch in sehr vielen anderen Ländern) mit Menschen der LGBTQIA+ Community. Die Art, wie der konkrete Konflikt beschrieben wurde, empfand ich als sehr emotional und realistisch, einfach gut geschrieben. Auch hier: bitte mehr davon!

Ich hoffe das Buch zeitnah auf euren To-Be-Read-Listen zu sehen! 😉

-alles liebe, Aly

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Blog Entry No. 49 – Felix Ever After

Liebe Leser*innen,

eine letzte Rezension für 2021 möchte ich euch nicht vorenthalten: Kacen Callenders Felix Ever After! Eigentlich wollte ich diesen Roman schon vor einer ganzen Weile in der Originalsprache lesen, aber so wirklich ergeben hat es sich nicht. Als dann aber die deutsche Ausgabe im Lyx Verlag erschien und auch direkt bei NetGalley zur Anfrage verfügbar war, gab es keine Ausreden mehr, ich musste es einfach lesen.

Cover der deutschsprachigen Ausgabe im Lyx Verlag

Felix Ever After wurde am 5. Mai 2020 bei Balzer + Bray veröffentlicht und erschien am 29.10.2021 in Deutschland beim Lyx Verlag. Kacen Callenders gewann bereits den Stonewall Book Award sowie den Lambda Literary Award und ist besonders für die preisgekrönten Bücher Hurricane Child, Queen of the Conquered und King and the Dragonflies bekannt. Der Roman, um den es in dieser Rezension gehen wird, wurde vom TIME MAGAZINE zu einem der 100 wichtigsten und einflussreichsten YA-Bücher gewählt und ist unter der ISBN 9783736316829 zu finden. Mir wurde ein Rezensionsexemplar von Netgalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

An diesem Cover gibt es zwei Aspekte, die ich sehr mag und hervorheben möchte: Zum einen bin ich ein großer Fan davon, wenn Cover den Inhalt des Buches aufgreifen, was in diesem Fall auch sehr offensichtlich gemacht wird, denn Felix malt in der Geschichte eine Reihe von Selbstportraits, unter anderem ein farbenfrohes, auf dem er eine Krone aus Blumen trägt. Zum anderen finde ich es auch schön, wie ähnlich das Cover der deutschsprachigen Ausgabe dem der Originalausgabe ist. Auch den Titel nicht zu verändern halte ich für eine gute Entscheidung, weil in diesem Fall sehr wahrscheinlich das Wortspiel komplett verloren gegangen wäre.

Das Cover der Originalausgabe, zu finden bei goodreads

Klappentext: Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt – die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans – die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft…

Felix Ever After war das erste Buch seit einiger Zeit, das ich innerhalb weniger Tage geradezu verschlungen habe. Der Schreibstil war super angenehm und authentisch, man konnte sich wirklich gut in die Geschichte einfühlen. Dadurch, dass die Handlung aus Felix‘ Perspektive geschildert wird, war außerdem die emotionale Nähe gegeben, die bei solchen Romanen einfach unerlässlich ist. Hinzu kommt, dass sich der Plot aus einer sehr gut ausbalancierten Mischung aus Romantik, Emotion, Spannung und wichtigen Themen zusammensetzt.

Wichtiger als über den Schreibstil zu reden, ist es aber den Inhalt zu thematisieren: Felix Ever After ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gute Repräsentation aussehen kann. Es war herzzerreißend, zu lesen, welch enorme Selbstzweifel Felix hat, weil er sich noch nie richtig verliebt hatte, Schwarz, trans* und queer ist und es trans*feindliche Menschen gibt, die ihm mitten ins Gesicht sagen, er wäre frauenfeindlich, weil er sich „entschieden“ hätte, nicht weiblich zu sein. [So viel Bullsh*t in einer Aussage und das von einer queeren „Feministin“, Buchcharaktäre haben mich selten so derart sauer gemacht!] Viel schlimmer noch war jedoch, zu wissen, dass das, was man da liest, für so so viele Menschen die grausame Realität ist. Es tut so weh zu wissen, dass es tatsächlich Personen gibt, die der Meinung sind, man würde sich für sein Geschlecht entscheiden, noch dazu, um dem Feminismus zu schaden. Es tut weh, zu wissen, dass tatsächlich immer noch Menschen enterbt und verstoßen werden, nur weil sie sich nicht entsprechend der cis-hetero-Norm verlieben. Es ist so schmerzhaft jedes Jahr aufs neue die Zahlen des Trans Murder Monitoring Projekts zu sehen, zu sehen, dass jedes Jahr mehr Menschen diskrimiert werden, Gewalt erfahren und umgebracht werden, weil sie trans*, Schwarz, indigen, of Colour und/oder queer sind (mehr Informationen findet ihr hier und hier).

https://transrespect.org/en/tmm-update-tdor-2021/

Genauso alarmierend ist es ebenso die Statistiken zur Suizidrate und Mentalen Gesundheit queerer junger Menschen zu sehen (Hier am Beispiel der USA: Trevor Project’s 2021 National Survey on LGBTQ Youth Mental Health).
Aber genau deshalb braucht es mehr Bücher wie Felix Ever After. Denn so schmerzhaft es war von dem Hass, dem Unverständnis und den dadurch verstärkten Selbstzweifeln zu lesen, so wohltuend war es so viele queere Menschen in einem Buch zu haben (das ist, nebenbei bemerkt, auch viel realistischer, queerios travel in packs, my dear), von dem, wie ich finde wirklich gut beschriebenen, Gefühl zu lesen, wenn man das Label findet, das tatsächlich zu der Art und Weise, wie man (sich) fühlt passt und vor allem Felix‘ Entwicklung zu erleben. Felix Ever After ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wirklich gute Repräsentation aussehen kann, bitte mehr davon! Außerdem lag der Fokus der Erzählung nicht nur auf der Romantik, sondern vor allem auch darauf, die eigene Identität, dein eigenen Weg zu finden und das in Jugendliteratur zu transportieren ist unglaublich wichtig. Es ist okay, wenn man sich nicht im Jugendalter verliebt, es ist okay, wenn man sich überhaupt nicht verliebt und es ist okay, die eigenen Ziele zur Priorität zu machen.

Felix Ever After ist ein unglaublich wichtiges (Young Adult) Buch, von welchem die Buchhandlungen und Bibliotheken ganz dringend mehr in den Regalen stehen haben sollten. Mein abschließendes Urteil also: Der Hype ist verdient!

– ganz viel Liebe, Aly

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Blog Entry No. 46 – Things To Do Before The End Of The World

Dear Readers,

as always: I review the books in English, which I read in English, but it has been a while since I wrote the last one in the English language, so there might be a few more mistakes than usual. Don’t be shy to tell me, if you find any 😉
This is one of my summer-reads (actually my main summer-read, because I didn’t manage to read as much as I wanted to).

Things To Do Before The End Of The World (I’m gonna shorten it to „TtdBtEotW“ from now on) was published on May 6th 2021 by Penguin. The paperback comprises 358 pages, you can find it with the ISBN 0241345278. I bought this one for myself in my second-most favorite bookstore at home. Emily Barr is a bestselling author known for writing Young Adult Thriller (I think TtdBtEotW perfectly fits in those genres), maybe you know The One Memory of Flora Banks (2017) or The Truth and Lies of Ella Black (2018).

Plot: One minute you’re walking in the park, hiding from a party. Then you discover that the next nine months will probably be your last. Everyone’s last. You realise that you happen to be alive at the time when your species becomes extinct.
You have to decide whether to go with it meekly like you usually do, or to do something brave, to live your last months with all the energy and bravery you can muster, to rage against the dying of the light.

Olivia struggles to live her real life as fully as she wants to. She plans out conversations and events in her head but actually doing them and interacting with other people is hard. When the news breaks that humans have done such damage to the earth that there’s only nine months of safe air left everybody makes bucket lists and starts living their best lives – everyone, that is, but Olivia who is still struggling to figure out who she wants to be.
Then out of the blue comes contact from a long-lost cousin Olivia didn’t even know exsisted. Natasha is everything Olivia wants to be and more. And as the girls meet up for their last summer on earth Olivia finds Natasha’s ease and self-confidence having a effect on her. But what if Natasha isn’t everything she first appears to be . . . ?

After all, I’m not quite sure why I bought the book in first place. I mean, the cover is beautiful with its shiny letters, the blury Paris skyline and its overall mostly red appearance (red is one of my favourite colours, maybe I got influenced more or less subconsciously or something), but I remember going to the bookstore that day with the thought in my head that I really need more queer content in my bookshelf. Though TtdBtEotW actually contains a queer main character that’s basically already it and it isn’t even recognizable from the plot summary on the back or the first pages or something (Which is a good thing regarding the queerness wasn’t used to market it). Well, maybe it was the perspective of the upcoming summer and climate change combined with the pretty cool chapter design – every chapter is named like a thing on a to do list. However, I bought it, read it and reviewed it, here you go:

I really liked the style of writing. Even though I didn’t quite like the plot building (gonna talk about it) the book was still catching and I think that’s mainly because of the engaging and personal writing style. The reader gets to know Olivias (aka Libby) perspective, so it’s like experiencing the story for oneself which makes reading it emotional. Also, I liked the main character herself. I was able to relate to her very well – probably because of my personal experiences of being a shy introvert, not being brave enough to talk to/kiss the human I like and because I know how much guts it takes to travel alone or with people one doesn’t know long enough – though I got a little annoyed with her in the end, it made her appear more human and real, because it didn’t become to much. Frankly, I didn’t quite get her mom till the very end, but that’s alright I guess, it fitted the story. To say one last thing about the characters: Olivias dad and Zoe are great, I really liked them and their development (though I would have loved to read more about Zoes growth).
Coming to the unpleasant part of the review: The reason why I just gave 3 out of 5 stars: The idea behind the plot is gorgeous, I loved reading about what people do, knowing they won’t have long to live on earth, I loved reading about the last summer and I loved reading about Olivias personal growth, but the actual plot wasn’t nearly as satisfying as I thought it would be. The main part of the book is about how Natasha comes into the lives of Libby and her family and creates a big deal of chaos. While reading I got the impression nothing really happend till the last quarter of the book. Of course, the plot twist needs preparation and some things must have happened in order to keep the story going, but it only became thrilling as the book was nearly finished. Also, there have been some pretty obvious hints which lead to an „I told you so“-impression reading the big thrilling point of TtdBtEotW. But nevertheless I liked the ending the most. I enjoyed how the situation was solved and loved reading the last few pages, because they contain big emotions and are written in a philosophical/emotional way. Maybe you know that I always read the first and the last sentence of a book before starting to read it; those two sentences of TtdBtEotW are some of my favourites: „You know when you worry about everything all the time?“ „I
breathed.“

In summary, Barrs book was a nice summer-read that made me think about how society would react knowing the world was ending and what I would do with my life, if I got such a message and though the ending was great and I liked the characters, it wasn’t much more than a nice book. But before I leave you with the question what you would wanna do before human life ends on this planet (please feel free to comment if you like, it would really interest me), I’ll give you the List of my Things to do before the end of the world as it stands now.

Visit my brother and his family in Australia (in terms of the book probably with a ship and then stay there till the end). Do a parachute jump. Get at least one tattoo (actually already planned). Tell the girl, that made me realize I’m not straight, how much I like her. Tell the people I love that I love them. Be happy. No need to hide.

To be fair, the last ones are quotes, but my favourite part of TtdBtEotW summarizes it perfectly: „‚They say you should live every day as if it were your last,‘ he said, ‚but when it comes down to it that’s not really it, is it? Live every day as if it might not be your last. That kind of works better.‘ ‚Live every day as if you had a future.'“

-love, Aly

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Blog Entry No. 45 – Back again und Why We Matter

Liebe Leser*innen,

es ist Oktober, einer meiner Lieblingsmonate und es ärgert mich sehr, dass ich ihn bisher noch nicht so nutzen konnte, wie ich es liebe: in Decken und Kissen gekuschelt mit Kakao oder Chai-Latte und einem guten Buch während es draußen vor dem Fenster stürmt und regnet. Stattdessen bin ich umgezogen, habe ehrenamtlich bei der Tagung zum Synodalen Weg geholfen, habe meine neue Arbeit (im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes) begonnen und bin eine Woche zu einem Seminar gefahren. So sehr ich es liebe, ein aufregendes Leben zu haben, so sehr freue ich mich trotzdem jetzt auf ruhigere Tage. Um es gebührend zu feiern, dass es bald endlich wieder regelmäßige Blogbeiträge gibt, werde ich mit einem Jahreshighlight-würdigem Buch beginnen: Why We Matter von Emilia Roig.

Die Politologin und Aktivistin Dr. Emilia Roig ist eine renommierte Expertin für Intersektionalität, Vielfalt, Gleichberechtigung, Inklusion und Antidiskriminierung. Die 380 Seiten umfassende Hardcover Ausgabe ihres Buches Why We Matter – Das Ende der Unterdrückung erschien am 15. Februar 2021 im Aufbau Verlag. Das von Dr. Roig selbst gelesene Hörbuch wurde am 25. Juni diesen Jahres veröffentlicht und mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt. Ihr findet das Hörbuch unter der ISBN 9783961054244.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, verrät im Grunde nichts über den Inhalt des Buches (vom Titel natürlich abgesehen) und sticht trotzdem genau dadurch hervor. Meiner Meinung nach ist diese Gestaltung absolut passend für ein sachliches Buch wie dieses. Ich finde, nebenbei bemerkt, übrigens den Titel einfach großartig.

Klappentext: Wie erkennen wir unsere Privilegien? Wie können Weiße die Realität von Schwarzen sehen? Männliche Muslime die von weißen Frauen? Und weiße Frauen die von männlichen Muslimen? Die Aktivistin und Politologin Emilia Roig zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie, in der wie unter einem Brennglas Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homophobie und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen –, wie sich Rassismus im Alltag mit anderen Arten der Diskriminierung überschneidet. Ob auf der Straße, an der Uni oder im Gerichtssaal: Roig schafft ein neues Bewusstsein dafür, wie Zustände, die wir für „normal“ halten – die Bevorzugung der Ehe, des männlichen Körpers in der Medizin oder den Kanon klassischer Kultur – historisch gewachsen sind. Und dass unsere Welt eine ganz andere sein könnte. „Emilia Roig deckt die Muster der Unterdrückung auf und leitet zu radikaler Solidarität an. Sie zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie –, wie Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homofeindlichkeit und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen. „Radikal und behutsam zugleich. Dieses Buch ist ein heilsames, inspirierendes Geschenk.“ Kübra Gümüsay „Die Antwort auf viele Fragen unserer unsicheren Zeit heißt: Gleichberechtigung aller. Und dieses großartige Buch ist ein Schritt auf dem Weg dahin.“ Sibylle Berg „Dieses Buch wird verändern, wie Sie die Welt wahrnehmen und Sie verstehen lassen, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet.“ Teresa Bücker

Dieses Hörbuch zu hören war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe sehr sehr viel über mich, meine Wahrnehmung, die Gesellschaft in der ich lebe und das komplexe Zusammenspiel von verschiedensten Diskriminierungsformen gelernt und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass mir zumindest ein Stück weit die Augen geöffnet wurden, sodass ich nun hoffentlich diskriminierende Situationen besser erkenne und angemessener handeln kann. Ein einzelnes Buch kann natürlich leider keine Wunder bewirken, aber Why We Matter trägt einen bedeutenden Teil zu einer aufgeklärteren Gesellschaft bei. Außerdem ist es nicht trocken und faktengeladen geschrieben, Roig erhebt keinen Anspruch auf absolute, objektive Wahrheit (zu der Thematik gibt es auch ein wirklich interessantes Kapitel), sondern verwebt ihre Aussagen mit persönlichen Erfahrungen, wodurch es authentisch bleibt und man sich besser einfühlen kann. Zudem bewirkt es hinsichtlich der Authentizität und Sympathie auch viel, dass die Autorin ihr Buch selbst liest.

Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie großartig ich dieses Buch fand. Lest es alle! Why We Matter ist definitiv ein fester Kandidat für meine persönlichen Jahreshighlights, schon einfach weil ich so viel gelernt habe, das Thema so unglaublich wichtig ist und trotz der hohen Komplexität alles verständlich, inspirierend und berührend geschrieben wurde.

Ich hoffe Why We Matter bald auf eurer aller tbr-Listen zu sehen und wünsche euch ein paar schöne Herbsttage,
Aly

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Blog Entry No. 43 – Maybe Not Tonight

Liebe Leser*innen,

eigentlich wollte ich diese Rezension schon längst veröffentlicht und in einer Podcast-Folge besprochen haben. Da aber einiges dazwischen kam, musste ich noch mal umplanen, deshalb jetzt die Review zu Maybe Not Tonight und wenn alles funktioniert, wie ich es mir im Moment vorstelle, dann werde ich auch im Oktober in einer Podcast-Folge noch einmal darüber reden.

Maybe Not Tonight ist der zweite Teil der Love is Queer Reihe von Alicia Zett. Der Roman der Frankfurterin erschien am 3. Mai 2021 im Droemer Knaur Verlag. Von NetGalley wurde mir die ungekürzte, 14 Stunden und 20 Minuten lange Ausgabe des Hörbuches im Austausch zu einer ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt. Dieses wurde von Oliver Kube und Oliver Erwin Schönfeld gesprochen, im Argon Verlag veröffentlicht und ihr findet es unter der ISBN 9783732455195.

Klappentext: Für den 19-Jährigen Luke fühlt sich die Zeit als Au pair in Vancouver an wie ein Traum: Jahrelang hat er sich nur darauf konzentriert, seinen Geschwistern den toten Vater zu ersetzen – jetzt, viele tausend Kilometer von Zuhause entfernt, scheint plötzlich alles möglich. Bei einem Theaterprojekt findet Luke schnell neue Freunde und lernt auch den Studenten Jackson kennen, der ihm zeigen könnte, was es bedeutet, wirklich lebendig zu sein. Doch Luke hat keine Ahnung, wie er mit seiner neuen Freiheit umgehen soll. Und in wenigen Monaten wird er in einem Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen. Es wäre äußerst unklug, sich auf Jackson einzulassen – oder?

Da dies eines der wenigen Hörbücher ist, die ich rezensiere, direkt erst ein paar Worte zur Vertonung: Die Kapitel, die jeweils aus Lukes und Jacks Perspektive geschrieben wurden, wurden auch von verschiedenen Menschen gelesen. Das Hörbuch so zu gestalten war meiner Meinung nach eine großartige Entscheidung, da man dadurch Perspektivenwechsel deutlicher mitbekommt und außerdem mit den beiden Hauptpersonen unterschiedliche Stimmen verbindet, was das ganze Hörerlebnis etwas realistischer macht. Beide Sprecher hatten sehr angenehme Stimmen sodass man sich voll und ganz auf das Buch einlassen und an vielen Stellen nur so dahin schmelzen konnte. Mir persönlich ist besonders Billies (sollten Namen jetzt falsch geschrieben sein, seht es mir bitte nach, ich habe das Buch nicht als Textstück und somit auch keine sichere Kenntnis über die Schreibweise der Namen) wörtliche Rede noch sehr charakteristisch in Erinnerung geblieben.

Ich mochte sehr, wie sich die Personen in Maybe not Tonight entwickelt haben und wie ausgearbeitet die Nebencharaktere waren, besonders Jacks Schwester ist mir sehr ans Herz gewachsen. Obwohl vieles sehr vorhersehbar war (womit ich ehrlicherweise aber oft rechne, wenn ich Bücher diesen Genres lese) und es im Grunde auch nur eine weitere Liebesgeschichte ist, ist Lukes und Jacksons Geschichte wirklich süß und hat mir mehrfach ein Lächeln auf die Lippen gebracht.

Trotzdem gab es einige kritische Aspekte, über die dringend gesprochen werden muss: Zum einen gab es unzählige Harry Potter Bezüge. Ich möchte nicht behaupten, dass es schlecht wäre Harry Potter Fan zu sein, doch es sollte eindeutig sensibler damit umgegangen werden, welche Bühne man J. K. Rowling damit gibt. Die Harry Potter Bücher sind zweifelsohne schon weltberühmt und es gibt wahrscheinlich kaum jemanden der noch nie zumindest davon gehört hat, dennoch sind solche Erwähnungen in anderen Büchern ein weiterer Multiplikator der Bekanntheit, was wiederum auch besagter Autorin zugute kommt. Meiner Meinung nach gab es eindeutig zu viele Bezüge auf die Fantasy-Reihe, vor allem dafür, dass der Roman einen Teil der LGBTQIA+ Community repräsentiert. Einer Autorin, die sich der Art trans* feindlich äußert, sollte nicht noch mehr positive Aufmerksamkeit zuteil werden.

Außerdem ist Maybe Not Tonight der zweite Teil einer Reihe. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und bin aber trotzdem sehr gut in der Geschichte rein gekommen, kann den Roman also auch all denjenigen empfehlen, die Not Your Type noch nicht kennen. Beim Lesen einiger Rezensionen bin ich aber auf eine Information gestoßen, die ich für den zweiten Teil doch sehr relevant finde: Jackson ist offenbar bisexuell (sollte ich falsche Informationen aus den anderen Rezensionen erhalten haben, kommentiert gern, wenn ihr Not Your Type gelesen habt und es besser wisst), was an sich erst einmal wenig relevant erscheint, da es ja in dieser Geschichte darum geht, dass er sich in Luke verliebt, unabhängig davon ob und wie er sich labelt. Problematisch finde ich nur den Umstand, dass er besonders am Anfang als Player porträtiert wird, der Luke das Herz brechen werde, weil er unzuverlässig sei und lieber feiere und flirte. Wenn man nun die Information aus Band 1 im Kopf hat – Jackson als bisexueller Charakter – und in Band 2 vermittelt bekommt, dass das Unrealistische an der möglichen Beziehung die Beziehungsfähigkeit Jacksons ist (und die Tatsache, dass Luke in einigen Monaten wieder nach Deutschland fliegt, wodurch sie eine Fernbeziehung über den Atlantik hinweg erhalten müssten), wird eines der typischsten Vorurteile gegenüber von bisexuellen Menschen reproduziert und ein Stückchen weiter in das Unterbewusstsein der Leser getragen: Sie würden in einer Beziehung betrügen, weil sie ja an mehreren Geschlechtern interessiert seien. Das ist natürlich Bullshit, denn ob man den Partner betrügt oder nicht hängt von der moralischen Einstellung und nicht von der Sexualität ab. So, dafür dass mein Wissen, auf dem dieser Kritikpunkt basiert, eher weniger fundiert ist (ich bin gern bereit Not Your Type zu lesen sobald ich an eine Ausgabe komme, um das zu ändern) und das auch ein vergleichsweise kleiner Aspekt des Buches ist, ist dieser Absatz doch recht lang geworden. Vielleicht wird es einige nerven, weil ich scheinbar „aus einer Mücke einen Elefanten mache“, aber Fakt ist, dass solche scheinbar irrelevanten, reproduzierten Vorurteile dazu beitragen, dass Menschen in unserer Gesellschaft nicht so akzeptiert und unterstützt werden, wie sie sind. Medien beeinflussen unser unbewusstes Denken mehr, als wir es wahrhaben wollen. Deshalb ist es wichtig auch über die kleinen, unschönen Details von Büchern zu reden.

Außerdem gab es eine Stelle im Buch, über die ich mich im ersten Moment riesig gefreut habe, die mich aber im Nachhinein nur sehr aufregt und nervt: Bei ca. 72% des Buches sagt Tayler: „Wenn ich an Sex denke, denke ich nur daran, wie viele Bücher ich in der Zeit lesen könnte.“ Darauf reagiert wird in nur drei Sätzen und diese nicht einmal in wörtlicher Rede, sondern gewissermaßen in Lukes Gedanken, da die Situation aus seiner Perspektive geschildert wird. Gut ist, dass die Aussage, bzw. ihr outing positiv mit einer Solange-sie-damit-glücklich-ist-bin-ich-es-auch-Haltung aufgenommen wird. Allerdings wird dabei so unglaublich viel Potential für akkurate Repräsentation verschenkt, dass es mich einfach sauer macht. In einer Buch-Reihe mit dem Titel Love is Queer wird die einzige Ace-Repräsentation (die sowieso schon generell viel zu selten umgesetzt wird) am Rande erwähnt und dann mit drei Sätzen abgetan, als wäre nichts weiter passiert?! Warum reagiert niemand auf Taylers Outing? Warum wird die Thematik nicht an einer anderen Stelle noch mal aufgegriffen? Warum wird so viel Wert auf das Outing von Alex gelegt und Taylers wird gefühlt überhaupt nicht wahrgenommen. Auch Ace Menschen müssen mit dem unangenehmen Gefühl eines Outings umgehen und sich oft noch mehr unsensible Kommentare anhören als andere Teile der Community. Dies ist hier zwar zum Glück nicht der Fall, aber als gutes Vorbild sollte diese Art der Reaktion trotzdem auf keinen Fall dienen.

+++Achtung Spoiler!+++

Der letzte Aspekt, der mich ziemlich genervt hat, war wie unfassbar spät Jackson einfiel, dass auch in Deutschland zu studieren eine Option wäre. Nicht nur, dass er schon sehr lange vorher weiß, wann Luke wieder nach Deutschland muss und dementsprechend eigentlich wirklich viel Zeit hatte über die Möglichkeiten für ihre Beziehung nachzudenken, nein, nach drei Monaten schmerzhafter Fernbeziehung, muss ihm von seiner Schwester gesagt werden, dass er auch in Deutschland studieren könnte, was mehrere Vorteile mit sich bringen würde.

+++ Spoiler Ende +++

Alles in allem ist Maybe Not Tonight eine süße Romanze mit liebenswerten Nebencharakteren, die man sich gut zwischendurch anhören kann. Jedoch merkt man stark, dass das Buch für eine weibliche cis hetero Leserschaft geschrieben wurde. Wenn man es liest, sollte man es für die Liebesgeschichte lesen und nicht für einen spannenden Plot oder die queere Repräsentation, denn diesbezüglich wird man leider stark enttäuscht. Mehr als 2,5 Sterne kann ich leider nicht vergeben.

Liebe Grüße,
Aly

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Blog Entry No. 42 – Gänseblümchen

Liebe Leser:innen,

es ist soweit, der Herbst hat begonnen und mit ihm auch eine neue Saison Rezensionen für die gemütliche Zeit des Jahres. Was gibt es besseres als Regenwetter, eine kuschlige Decke, ein Heißgetränk (meine persönlichen Favoriten: Chai Latte, Kakao und schwarzer Tee) und ein gutes Buch?
Starten werde ich direkt mit einem 5-Sterne Buch. Obwohl es im Herbst und Winter spielt, also perfekt passt, hat es mir eher ein Sommer-Gefühl vermittelt, was denk ich ganz gut zum September passt, denn noch hat das Regenwetter nicht wirklich angefangen.

Gänseblümchen – eine sehr queere Geschichte wurde von Elias Finley geschrieben und am 25. Juli diesen Jahres im Queer Pack Verlag veröffentlicht. Ihr findet es unter der ISBN 9783982202747 als Taschenbuch und ebook. Kaufen könnt ihr es bei Amazon. Mir wurde es von NetGalley als ebook im Austausch gegen eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Bevor ich zum Inhalt komme, kurz ein paar Worte zum Cover: So gut mir das Buch inhaltlich auch gefällt, mit dem Cover kann ich mich nur mäßig gut anfreunden. Es ist super bunt, was an sich gut zum sehr queeren Inhalt passt, jedoch wirkt es stark überladen. Durch die vielen verschiedenen, im Ton sehr kräftig leuchtenden Blumen fällt im ersten Moment gar nicht auf, dass auch die Schrift etwas viel ist. Auf den zweiten Blick fallen die drei verschiedenen Schriftarten in unterschiedlichen Größen und zum Teil verschiedenen Ausrichtungen dann aber doch auf. Positiv zu bemerken ist aber, wie gut sich das Verlagslogo einfügt.

Die Handlung wird aus Ricks Perspektive wiedergegeben, Rick der gerade 19 geworden ist, zur Schule geht und nebenbei im Baumarkt arbeitet, Rick, der Blumen, Rosa und Harmonie mag, von seinen Mitschüler:innen als schwul bezeichnet wird, obwohl er sich nicht sonderlich schwul fühlt und der in Gegenwart der beliebten Auri vor lauter Herzklopfen kein Wort über die Lippen bekommt. Mit Beginn des neuen Schuljahres kommt Bo neu in den Jahrgang und er scheint es auf Rick abgesehen zu haben. Nicht nur dass er ihn beklaut und provoziert, wo er nur kann, ausgerechnet Bo scheint auch einen besonderen Draht zu Auri zu haben. Doch als Rick Bo näher kennenlernt, beginnen sich die Ereignisse zu jagen.

Gänseblümchen ist sehr gut verständlich und vor allem nah am Hauptcharakter geschrieben. Der Schreibstil vermittelt das Gefühl, alles tatsächlich aus Ricks Gedanken heraus mit zu erleben, dadurch liest es sich zum einen sehr schnell und zum andern auch sehr emotional. Besonders gut finde ich außerdem, dass es eine sehr detaillierte Liste mit potentiellen Triggern gibt, durchgängig inklusive * gegendert wird und dass im Vorwort auf die Verwendung der Pronomen sier/sien eingegangen wird, denn genau diese Art der Kommunikation ermöglicht mehr Sensibilisierung für den respektvollen Umgang mit non-binären Menschen und Verständnis für den notwendigen Sprachwandel für mehr Repräsentation, dessen Notwendigkeit viele Menschen leider noch nicht sehen. Generell muss ich aber auch einfach sagen, dass das Buch schon allein durch die enorme Menge an queerer Repräsentation (vor allem der Teile der Community, die sonst leider viel zu oft übersehen werden) einen riesigen Pluspunkt bei mir hat.

Die Entwicklung des Plots hat mich schlicht umgehauen. Durch die Liste potentieller Trigger wurde zwar schon deutlich, dass viel passiert, aber es gab so viele Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte, dass es bis zum Epilog spannend und überraschend blieb. Bezeichnend hierfür ist mein Kommentar bei goodreads, als ich gerade 93% des Buches gelesen hatte: „Es sind noch 7% zu lesen und ich habe das ungute Gefühl, dass mir dieses Buch das Herz brechen wird. Ich hab so Angst um Bo. Er hat sich wie der letzte Arsch verhalten, aber er ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich habe irgendwie doch sehr Angst vor dem Ende des Buches.“

Letztlich kann ich vor allem eins sagen: Wow. Nur wenige Bücher schaffen es, mich mit allen Emotionen abzuholen, Charaktere zu schaffen, die absolut glaubwürdig und real geschrieben sind, und dabei noch wichtige politisch-moralische Botschaften zu vermitteln. Ich habe mindestens genauso oft gelacht (ja, auch laut, sehr zur Verwirrung der Menschen um mich herum) und mich für die beschriebenen Personen gefreut wie ich auch sauer auf Rick und Bo war und mitgelitten habe, wenn die Handlung unschöne Wendungen nahm. Die beschriebene Freundschaft zwischen Rick und Vhyn ist einfach großartig (ich würde die beiden so gern mal in der Realität treffen) und die Charakterentwicklung (die ich mir für Rick noch etwas mehr gewünscht hätte) von Bo ist der Wahnsinn. Es ist so schön zu lesen, wie Vhyn und Auri über sich hinauswachsen und mit allem Mut, den es dafür leider manchmal braucht, zu sich selbst stehen. Aber nicht zuletzt sind auch die Nebencharaktere einfach cool, ich brauche bitte mehr Personen wie Ricks Großeltern in meinen Büchern! 😀
5 von 5 absolut verdiente Sterne für diesen wunderbaren, queeren Young-Adult Roman, dessen Cover und Inhalt genauso unperfekt, bunt und liebenswert sind, wie das Leben.

Alles Liebe,
Aly

PS: Das Buch hat mir mein Herz übrigens nicht gebrochen, manchmal ist es unglaublich gut, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, denn dann kann man positiv überrascht werden, was hier eindeutig der Fall war.

Blog, Reviews

Blog Entry No. 39 – Pictures of You

Liebe Leser:innen,

die Mittsommernacht und der Pride Month sind vergangen (ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht), aber ein großer Teil des Sommers liegt noch vor uns. In Vorfreude auf den CSD, der in meiner Nähe erst im September stattfindet, und mit dem Versprechen, dass ich in Zukunft noch etwas häufiger über queere Bücher schreiben werde, hier nun die Rezension zu Pictures of You von Tina Winter.

Cover des Buches: https://www.ullstein-buchverlage.de/uploads/tx_publisher/cover
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Das ebook dieses Romans wurde mir von NetGalley im Austausch einer unabhängigen, ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt. Pictures Of You, geschrieben von der deutschen Autorin Tina Winter, erschien am 5. April 2021 in dem Verlag Forever by Ullstein. Ihr findet es unter der ISBN 9783958186262.
Ich persönlich finde das Cover total gelungen, auch wenn es nicht zu den Top-Cover-Favoriten in meinem Regal zählt. Der Titel sticht als das einzige, farblich nicht harmonisch passende Element hervor und der Hintergrund ist einfach durch und durch schön. Mir gefällt, dass die Kamera im Vordergrund steht und die beiden Hauptcharaktere einen nicht gleich anspringen, denn normalerweise bin ich kein Fan von realen Menschen auf Covern, vor allem bei Büchern der Genres Romantik, New Adult, Erotik etc. Irritierend finde ich es oft, wenn der Titel in einer anderen Sprache als der Originaltext ist, so wie hier (oder bspw. englische Titel zu anderen englischen Titeln bei der anderssprachigen Ausgabe „übersetzt“ werden). Ebenfalls anmerken möchte ich noch, speziell auf Netgalley.de bezogen, dass ich es nicht gut finde, Bücher in Kategorien wie „Frauenunterhaltung“ einzuteilen. Natürlich muss man das Angebot irgendwie sortieren, schon um es der Zielgruppe leichter zugänglich zu machen, jedoch bin ich der Meinung, dass sich dafür durchaus weniger sexistische Kategorien finden lassen.

Aber nun zum Inhalt: Die Geschichte wird aus Jays Perspektive erzählt. Der junge BWL-Student studiert nur deshalb BWL, um dem Willen seines Vaters zu folgen und in das Familienunternehmen einzusteigen. Seine Freizeit gestaltet er dagegen hauptsächlich mit Fotografie und One-Night-Stands, mit keinem Mann schläft er mehr als einmal. Seine Familie hat keine Ahnung von Jays wirklichen Interessen und Alles würde nach Plan verlaufen, hätte er nicht den verschlossenen, neuen Bibliothekar Konstantin kennengelernt, der Jay nicht mehr aus dem Kopf geht.

In Pictures of You beschreibt Tina Winter eine wirklich schöne, romantische Geschichte, durch deren Seiten man nur so fliegt. Einmal angefangen ist das Buch schwer aus der Hand zu legen, da zum einen der Schreibstil absolut angenehm ist und zum anderen auch die Handlung immer die richtige Balance zwischen fesselnder Spannung mit offenen Fragen und Romantik zum Dahinschmelzen fand. Beeindruckend ist Jays Entwicklung. Während die meisten Nebencharaktere nur selten mit Details und Entwicklung versehen wurden und ich mir auch bei Konstantin gern noch mehr Tiefe gewünscht hätte, wurde im Gegensatz dazu Jays Gefühls- und Gedankenwelt genial beschrieben. Er wächst mit jeder Herausforderung, macht Fehler und lernt dazu, aber vor allem findet er im Laufe des Romans immer mehr zu sich selbst und das „miterleben“ zu können ist einfach wundervoll.
Mein absoluter Lieblingsnebencharakter ist die Mitbewohnerin der Hauptperson: die rothaarige Jurastudentin und Bloggerin Maren. Getoppt wird das ganze nur noch von der Szene als Maren und Jay gemeinsam Suits (eine meiner Lieblingsserien) schauen und sie sich darüber beschwert, ständig mit Donna verglichen zu werden. Obwohl ich sagen muss, dass ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob die im Buch beschriebenen Szenen der Serie nicht doch ein paar Spoiler enthalten haben.

Alles in Allem ist Pictures Of You ein wirklich schöner, romantischer Roman mit LGBTQIA+ Repräsentation und expliziten sexuellen Schilderungen.

Ich wünsche Euch noch ein wundervolles Wochenende,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 34 – Not My Ruckus

Dear Readers,

today’s review will be on an audiobook (my first one on this blog), which touched me deeply. In what kind of way I will tell you later on, but if you’re capable of hard truths and unpleasant stories, you should definitely give this book a read.

The cover of Not My Ruckus is beautiful. I love that kind of art with the flowers growing between and seemingly melt into the title and the house. It looks gorgeous!

Not My Ruckus is the debut novel of Chad Musick, an author, who „makes no secret of being epileptic, autistic, and arthritic, facts that inform how he approaches both science and the arts“ (quote from the information about the author on goodreads). The novel was published on February 16th 2021 by Cinnabar Moth Publishing LLC and Ivy Tara Blair narrated the audiobook, which has a lenght of 8 hours and 32 minutes. You find it with the ISBN 9781953971036.

So far about the dry facts, but the content is far more complex. That’s why I won’t tell too much, the story develops fast and I don’t want to spoiler you important events.
The plot is told by the main character: 14 years old Clare, an incredibly strong person, who cares heartbreakingly much about her loved ones. She lives in a small town in 1980s Texas, grows up in a highly religious and abusive family and neighborhood. The narrations starts with her first kiss with Esther, her neighbour. Sadly, right at the moment of that kiss Esther’s mom is bleeding in the hospital because of a gun shot. The novel starts with a kiss and a murder and develops thrillingly till the last few seconds of the audiobook.

Listening to this book was shocking, thrilling, at some points lovely and definitely eye opening. Musick described so many forms of abuse and violence in families and the neighborhood that I wouldn’t recommend this book for people who are very sensible for such issues, although he only implicitly described the actions and mostly did not write about them in detail. Leaving many things unsaid but imaginable lead to a heart touching, unpleasant reading experience, without using to much horror. I really appreciate his writing style; it made the important issues and events clear and left enough space to create a thrilling novel that needs to be read between the lines sometimes. The author addressed important topics and I was shocked and upset about knowing this is reality for way too many people in this world. Chad Musick wrote an incredibly good and important book with gorgeous character developments (not all though, but the important ones evolved greatly) and a stirring plot.
But I’m also reviewing the audio of the book and to be honest, I didn’t find the narration fitting. My first impression was that the narrator sounds bored and unenthusiastic, which doesn’t fit for a 14 year old girl and such a complex story. Though Ivy Tara Blair made it a bit hard for me to find into the novel, I enjoyed how she changed her voice for the different characters. It made it a lot easier to distinguish between Clare’s narration and direct speech of other people.

All in all Not My Ruckus is a well written, important novel that addresses major issues, but in order to do so writing about abuse and violence is needed, which is essential but maybe not fitting for readers, who aren’t capable of or don’t like reading about disturbing scenes. Consider the trigger warning, it has its reasons. Since I didn’t quite like the narration of the audiobook, I consider reading the ebook or paperback sometime in addition.

Have a great week,
Aly

PS: I received the audiobook from NetGalley in exchange for an honest review. That did not influence my opinion on the book.

Blog, Reviews

Blog Entry No. 31 – Mädchen, Frau etc.

Liebe Leser*innen,

in der letzten Woche haben Bernadine Evaristos Worte nicht nur mein elektronisches Bücherregal (an dieser Stelle vielen Dank an NetGalley, wodurch ich dieses großartige Buch als eBook lesen durfte), sondern auch mein Bewusstsein und meinen Geist bereichert. Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Mädchen, Frau etc. kaufen wollt, kann ich euch versichern, dass die darin geschilderten Perspektiven jeden Cent wert sind.

Das Cover ist mit Abstand eines der farbenfrohsten meines Regals und die starken, gesättigten Farben stehen im Kontrast zu der schwarz-weißen Gestaltung der Schrift und der Silhouette. Trotz der zahlreichen Kontraste (Schwarz/Weiß; Komplementärfarben Violett/Gelb; verschiedenste Formen, usw.), den klaren Linien und den satten Farben, was insgesamt sehr viel Energie und Kraft ausstrahlt, erscheint das Cover harmonisch und ist angenehm zu betrachten. Meiner Meinung nach passt diese Gestaltung perfekt zum Inhalt des Buches, zu den vielen verschiedenen Geschichten von starken, unabhängigen, wundervollen Frauen. Müsste ich nur nach dem Cover entscheiden, welche Bücher ich lese, hätte dieses auch dann den Weg in meine Hände gefunden.

Mädchen, Frau etc. von Bernadine Evaristo erschien am 23. Januar 2021 im Klett-Cotta Verlag, nachdem das britische Original bereits am 2. Mai 2019 veröffentlicht wurde und noch im selben Jahr, neben weiteren, späteren Preisen, den Booker Prize erhielt. Ihr findet das Buch unter der ISBN 978-3-608-50484-2.

Evaristo beschreibt in ihrem Roman die Lebensgeschichten von 11 Frauen und einer Person, welche sich als non-binary identifiziert und in einem weiblichen Körper geboren wurde. Jede Person erhielt ihr eigenes Unterkapitel, in welchem dann die Ereignisse aus der Perspektive dieses Menschen geschildert wurden, oft auch in einer für diesen typischen Sprache, wodurch die Charaktere authentisch wirkten. Jedoch standen alle Kapitel in einem Zusammenhang: Zentrum der Handlung war im wesentlichen die Premiere des von Amma inszenierten Stücks: „Die letzte Amazone von Dahomey“. Alle Personen, welche für ein Unterkapitel die Hauptperson waren, waren entweder bei der Premiere anwesend, lasen davon oder waren mit jemandem verwandt, der dort war. Abgesehen von Penelope identifizierte sich auch kein Charakter als weiß, alle wurden entweder selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren oder hatten enge Verwandtschaft, für die das zutraf.

Inhaltlich stellt Mädchen, Frau etc. einen herausragenden, wichtigen und längst überfälligen Einblick in das Leben von Frauen dar, die mit sehr viel Leid, Verlust und Diskriminierung leben mussten und müssen. Außerdem wird mehr als deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Haltung von Menschen sein kann, die eigentlich das Gleiche erreichen wollen. Besonders gut hat mir aber die Gegenüberstellung der verschiedenen Generationen gefallen, die zum einen die Entwicklung der Gesellschaft sehr deutlich gemacht hat, aber zum andern auch darauf aufmerksam macht, den älteren Generationen zuzuhören, aus ihren Erfahrungen zu lernen und zu versuchen sie zu verstehen. Meiner Meinung nach schuf Evaristo mit diesem Roman ein hochpolitisches Werk, das Augen öffnet und dazu aufruft, den Fokus auf die wesentlichen Werte, auf deren Herstellung und Wahrung fast alle Bewegungen hinarbeiten, nicht zu verlieren.

Obwohl dieses Werk inhaltlich großartig und schwer von Bedeutung ist, kann ich leider trotzdem keine 5 von 5 Sterne vergeben. Der Schreibstil hat mir besonders zu Anfang Probleme bereitet. Man findet außer Kommas, Frage- und Ausrufezeichen keinerlei Satzzeichen. Sätze sind als Absätze gekennzeichnet und wörtliche Rede war lediglich am Wechsel der verwendeten Personalpronomen zu erkennen. Natürlich zeigt dies eine spezielle, fast schon poetische Stilistik, jedoch habe ich mich bis zum Ende nicht völlig daran gewöhnen können. Deshalb konnte ich während des Lesens nicht so in die jeweilige Geschichte eintauchen, wie es bei anderen Büchern möglich ist und brauchte mehrere Anläufe mich zu motivieren, weiter zu lesen. Das ist bei einem Buch mit so wichtigem Inhalt extrem schade.

Dennoch bleibt Mädchen, Frau etc. ein sehr gutes Buch mit einer zweifellos wirklich wichtigen Thematik. Trotz des anstrengenden Schreibstils, sollte jeder diesen Roman mindestens einmal gelesen haben und sich die Bedeutung dieser keineswegs selten vorkommenden Geschichten und Ereignisse bewusst machen. Diese Worte Bernadine Evaristos sind eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

Ich hoffe Euch geht es gut und ihr könnt die kommende Woche genießen,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 30 – Neu entdeckte Podcasts, Batman Joker War und warum ich Batwoman sympathischer finde als Batman

Liebe Leser*innen,

in den letzten beiden Wochen war es hier sehr still. Das liegt hauptsächlich daran, dass mein „eigentliches“, „normales“ Leben, in dem ich nicht Alyrene heiße, zur Zeit sehr stressig ist. Dadurch komme ich zum einen nicht wirklich zum Lesen, wodurch mir wiederum der Stoff fehlt, über den ich normalerweise bloggen würde. Außerdem bewirkt der Stress aber auch, dass mir einfach die Motivation fehlt in der freien Zeit, die ich hin und wieder genießen darf, auch noch am Computer zu sitzen und zu schreiben.
Allerdings habe ich in den letzten zwei Wochen zwei Podcasts und eine neue Serie gefunden, die einfach wirklich wunderbar sind.

Zu den beiden Podcasts nur ein paar kurze Worte, weil sie sowieso am besten wirken können, wenn man sie sich einfach anhört: Happy Queer Mind: Self-Help for LGBTQIA+ people and their allies von Jess Darnell steht noch am Anfang, aber die Folgen, die bereits hochgeladen wurden sind einfach großartig. Zum einen sind die Themen, die angesprochen werden extrem wichtig, schon einfach damit die Tabuisierung endlich abgebaut werden kann, und sie werden sensibel und unterstützend (besonders die Folge zu Overthinking & Anxiety mochte ich sehr) besprochen. Zum andern liest Jess Darnell aber auch in jeder Folge ein eigenes, zum Thema passendes Gedicht, was mich einfach immer wieder sehr freut. (Wie man vielleicht am Titel sieht, ist dieser Podcast auf Englisch ;))
Willkommen im Club – der LGBTIQ*-Podcast von PULS ist ein Podcast von PULS, was wiederum ein Teil des Bayerischen Rundfunks ist. Es wird eine bunte Themenvielfalt rund um die LGBTQIA+ Community auf eine unterhaltsame (je nach Thema natürlich!) und informative Weise besprochen. Mit vielen Gastrednern und Interviewpartnern bleiben die Folgen immer abwechslungsreich und es wird sichergestellt, dass man von mehreren Perspektiven hört. Die Moderatoren klingen absolut sympathisch und wie der Titel bereits sagt, sind alle willkommen. Egal welchem Buchstaben man sich zugehörig fühlt, ob man noch auf der Suche nach der eigenen Identität ist oder als hetero cis Person, als Ally, einfach mehr über die Community erfahren möchte. Dieser Podcast ist für jeden und ich persönlich finde auch, dass jeder mindestens reinhören sollte, dass jeder den Menschen und ihren Perspektiven zuhören sollte.
Ich habe euch die Podcasts auf Spotify verlinkt, aber soweit ich weiß, findet ihr sie auch bei anderen gängigen Podcast-Plattformen. Viel Spaß beim hören!

Nun zu Batman: Mit Heft 47 (März 21) der Batman-Reihe von Panini Comics wurde eine neue Sub-Reihe eröffnet: Batman Joker War. Die Originalhefte wurden bereits im Herbst 2020 in den USA veröffentlicht und da die deutschen Hefte immer zwei der Originalhefte beinhalten, gibt es in Deutschland nur vier Teile. Der erste Teil der Reihe enthielt ein Wendeposter mit zwei sehr Joker-typisch verrückten Motiven des Antagonisten. Ich persönlich mag das Feuer-Motiv mehr, weil es mehr Coolness ausstrahlt und weniger schreit: „Ich bin irre!“
Im Plot geht es im Wesentlichen darum, dass der Joker herausgefunden hat, dass Bruce Wayne Batman ist und ihn nun fertig macht. Er hat seine Firma, seine Konten, seine Bat-Höhle, einfach alles was zu Bruce Wayne und Batman gehört übernommen. Außerdem hat er Zugriff auf ein neues Nervengift und all die Leichen ausgegraben, die gestorben sind, weil Batman sie nicht retten konnte. Nun hat er Großes vor. Alles deutet auf den großen Endkampf hin, von dem sich einer von beiden nicht mehr erholen wird. Aber wer wird es sein?

Der Autor James Tynion IV und der Zeichner Jorge Jiménez etablierten in dieser Geschichte außerdem zwei neue Charaktere: Punchline und Clownhunter. Erstere wirkt als die neue Freundin des Jokers noch etwas flach, aber da die Künstler bereits ankündigten, dass die neuen Personen auch in den Heften nach Joker War weiterhin zu sehen sein werden, kann in zukünftigen Ausgaben natürlich noch Tiefe aufgebaut werden. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein. Clownhunter wirkt dagegen schon nach den ersten Auftritten frisch und sympathisch. Er versucht gegen die Clowns zu kämpfen, die seine Stadt eingenommen haben, hat jedoch weder übernatürliche Fähigkeiten noch extrem viel Geld um sich teure Technik und Ausrüstung zu kaufen und genau das hebt ihn von den anderen DC-Helden deutlich ab. Arrow, Batman, Batwoman (nur um ein paar Beispiele zu nennen) haben alle große Firmen und reiche Familien. Sie setzen ihren Reichtum positiv ein, was zweifelsohne sehr lobenswert ist, aber besonders gut identifizieren kann man sich dadurch eben nicht mit ihnen. Genauso ist es auch mit Helden wie Superman, Supergirl oder Flash; wir „ottonormalo“-Leser werden diese Fähigkeiten wahrscheinlich nie haben, dadurch bewundert man die Helden und findet sie cool, aber Helden werden sie nicht durch die Bewunderung, sondern dadurch Gutes zu tun. Clownhunter ist bisher ziemlich normal, ein einfacher Bürger Gothams, der etwas gegen die Schreckensherrschaft tun möchte und dabei auch erfolgreich ist. Man kann sich mit ihm in gewisser Hinsicht identifizieren und er versucht sein Bestes, um Gotham zu einem weniger angsteinflößenden Ort zu machen. Das nenn ich mal einen guten Helden. Auch er wird laut den Künstlern zu einer neuen Generation Vigilanten in Gotham werden und in den weiteren Heften zu sehen sein. Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt.

Ich mag die Art wie die Comics gezeichnet und geschrieben sind. Weil das sehr subjektiv und schwer greifbar ist, hier ein Gegenbeispiel: ich persönlich mag die Art, wie die Guardians of the Galaxy in den aktuellen Comics gezeichnet sind, nicht besonders. Die Batman Reihe lese ich jedoch sehr gern und das auch, obwohl ich sonst kein großer Fan von Brutalität und Gewalt bin, die in dieser Art von Comics natürlich zu Genüge vorkommt (sonst würde dem Stil der Comics auch wirklich etwas fehlen). Da aber noch zwei Teile der Reihe fehlen, kann ich noch nicht zu einem finalen Urteil kommen, aber bisher ist diese Sub-Reihe definitiv interessant.

Batman ist zweifelsfrei berühmt. Selbst wenn man keine Comics liest, kennt man vermutlich die Filme oder hat schon mal Merchandise im Laden gesehen. Der dunkle Rächer, der den Mord seiner Eltern mit ansehen musste, der immer grimmig guckt und der den Kodex hat niemanden zu töten. Er existiert nun schon länger als acht Jahrzehnte und trotzdem gibt es immer wieder neue Geschichten. Geschichten mit dem Riddler, dem Joker, Harley Quinn, Two-Face, dem Pinguin und vielen mehr. Ich selbst bin auch eher zum Batman-Comics-Leser geworden, weil ich die Antagonisten sehr faszinierend und spannend finde (ich befürworte nicht, was sie tun, frage mich nur wie sie zu den Menschen geworden sind, die sie sind und was sie als nächstes planen). Aber der wesentlichste Grund, warum ich Batman anderen Helden wie Superman oder Flash vorziehe, ist dass er ein Mensch ist. zwar ein Mensch der extrem beeindruckende Technologie hat, aber trotzdem ein Mensch, der lange trainieren musste und durch die Hölle gegangen ist, um es jetzt mit seinen Feinden aufzunehmen und die Stadt für die Menschen ein bisschen sicherer zu machen.

Aaaber….

Batman ist wirklich nicht sympathisch. Ich habe vor kurzem Batwomans Welt für mich entdeckt und da sind mir einige Dinge klar geworden: DC-Helden neigen oft dazu melodramatisch zu sein. Klar hat jeder eine tragische Geschichte, die begründet, warum aus einer „normalen“ Person eine heldenhafte Kampfmaschine geworden ist und klar müssen sie ihr Doppelleben möglichst geheim halten und ihre Familie schützen, aber man muss nicht alles so überdramatisieren, wie es beispielsweise Batman und Arrow oft tun. Batwoman und Wonder Woman schaffen es auch superkrasse Heldinnen zu sein, ohne aus allem ein Riesendrama zu machen. Wenn Plan A und B nicht funktionieren, dann wird halt Plan C umgesetzt. Außerdem schaut Batman immer, in wirklich jeder Situation grimmig. Vielleicht meint er, damit den Feinden mehr Angst machen zu können oder ähnliches, aber mal ehrlich, wäre es so schrecklich hin und wieder zu lächeln oder wenigstens neutral zu schauen?
Das eigentlich Wesentliche, wenn es um die Frage von Lieblings-Superhelden geht, ist aber, dass mir langsam die Gründe ausgehen, Batman zu mögen. Es gibt einfach mehr Aspekte an Helden wie Wonder Woman und ganz besonders Batwoman, die ich cool und sympathisch finde.

Zuerst natürlich das offensichtlichste: Sie sind Frauen. Unsere Welt braucht eindeutig mehr weibliche Superhelden, wo doch auch im Alltag der Realität schon die Heldentaten von so vielen Frauen nicht wertgeschätzt werden. Sexismus in den Medien sollte endlich der Vergangenheit angehören. Wo sind die trans* und inter* Helden?
Batwoman ist außerdem auch nur ein Mensch (im Gegensatz zu Wonder Woman ;)). Sie hat hart trainiert, Verluste erleiden müssen und will andere Menschen beschützen, sie macht Fehler und sie muss vertrauen, weil sie nicht alles im Alleingang bewältigen kann. Mit ihr kann man sich identifizieren. Außerdem ist sie lesbisch, was noch einmal neue Herausforderungen mit sich bringt. Sie muss sich als Kate Kane Diskriminierung und Homophobie stellen, aber hat den Mut nicht nur als Kate zu dem zu stehen wer sie ist, sondern auch als Batwoman sich als lesbisch zu outen. Meiner Meinung nach ist sie ein zutiefst beeindruckender Charakter, den ich bewundere und der ein gutes Vorbild für so viele Menschen auf dieser Welt sein kann.
Kate wirkt außerdem wie ein sehr offener, selbstbewusster Mensch und gibt in der Serie auch zu, dass sie es nicht gewohnt ist, Geheimnisse zu haben und die Menschen um sie herum anzulügen. Diese Art mit dem Doppelleben umzugehen, die Offenheit über die Probleme, die mit einem Superhelden-Leben verbunden sind, werden somit greifbar (anders als bei Batman, der immer sehr verschlossen wirkt) präsentiert, ohne überdramatisiert zu werden (anders als bei Arrow, der jedes mal ein riesiges Drama daraus macht, wenn er die Menschen, die ihm wichtig sind zwar beschützen will, aber trotzdem nicht ehrlich zu ihnen sein kann).

Unabhängig davon, dass sowohl Batwoman als auch Kate Kane super gut aussehen (die rote Farbe im Kostüm bewirkt coole Akzente, wodurch der Anzug deutlich weniger trist und langweilig aussieht, rot ist außerdem eine meiner Lieblingsfarben und ich finde auch Kates Stil und Aussehen in der Serie mega cool, sie sieht einfach gut aus), ist ihre Figur schon nach den ersten Folgen (ich habe leider bisher noch keine Batwoman-Comics gelesen, sondern schaue gerade nur die Serie, aber ich versuche das ganz bald nachzuholen) um einiges tiefgründiger und komplexer, aber auch deutlich bodenständiger und nahbarer als die meisten anderen Helden, die bisher von den Medien gezeigt wurden.
Wenn ich mir aussuchen dürfte, mit welchem Superhelden ich gern mal zusammen was essen oder trinken gehen würde, wäre meine Wahl ohne zu zögern Batwoman.

Genießt den beginnenden Frühling und bis bald,
Aly

PS: Die Serie zu Batwoman könnt ihr auf Amazon Prime schauen.

PPS: In der zweiten Staffel scheint es einige Veränderungen Batwomans zu geben, ich bin gespannt und schreibe bestimmt wieder zu diesem Thema, aber jetzt genieße ich erst mal die erste Staffel zu Ende.