Blog, Reviews

Blog Entry No. 39 – Pictures of You

Liebe Leser:innen,

die Mittsommernacht und der Pride Month sind vergangen (ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht), aber ein großer Teil des Sommers liegt noch vor uns. In Vorfreude auf den CSD, der in meiner Nähe erst im September stattfindet, und mit dem Versprechen, dass ich in Zukunft noch etwas häufiger über queere Bücher schreiben werde, hier nun die Rezension zu Pictures of You von Tina Winter.

Cover des Buches: https://www.ullstein-buchverlage.de/uploads/tx_publisher/cover
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Das ebook dieses Romans wurde mir von NetGalley im Austausch einer unabhängigen, ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt. Pictures Of You, geschrieben von der deutschen Autorin Tina Winter, erschien am 5. April 2021 in dem Verlag Forever by Ullstein. Ihr findet es unter der ISBN 9783958186262.
Ich persönlich finde das Cover total gelungen, auch wenn es nicht zu den Top-Cover-Favoriten in meinem Regal zählt. Der Titel sticht als das einzige, farblich nicht harmonisch passende Element hervor und der Hintergrund ist einfach durch und durch schön. Mir gefällt, dass die Kamera im Vordergrund steht und die beiden Hauptcharaktere einen nicht gleich anspringen, denn normalerweise bin ich kein Fan von realen Menschen auf Covern, vor allem bei Büchern der Genres Romantik, New Adult, Erotik etc. Irritierend finde ich es oft, wenn der Titel in einer anderen Sprache als der Originaltext ist, so wie hier (oder bspw. englische Titel zu anderen englischen Titeln bei der anderssprachigen Ausgabe „übersetzt“ werden). Ebenfalls anmerken möchte ich noch, speziell auf Netgalley.de bezogen, dass ich es nicht gut finde, Bücher in Kategorien wie „Frauenunterhaltung“ einzuteilen. Natürlich muss man das Angebot irgendwie sortieren, schon um es der Zielgruppe leichter zugänglich zu machen, jedoch bin ich der Meinung, dass sich dafür durchaus weniger sexistische Kategorien finden lassen.

Aber nun zum Inhalt: Die Geschichte wird aus Jays Perspektive erzählt. Der junge BWL-Student studiert nur deshalb BWL, um dem Willen seines Vaters zu folgen und in das Familienunternehmen einzusteigen. Seine Freizeit gestaltet er dagegen hauptsächlich mit Fotografie und One-Night-Stands, mit keinem Mann schläft er mehr als einmal. Seine Familie hat keine Ahnung von Jays wirklichen Interessen und Alles würde nach Plan verlaufen, hätte er nicht den verschlossenen, neuen Bibliothekar Konstantin kennengelernt, der Jay nicht mehr aus dem Kopf geht.

In Pictures of You beschreibt Tina Winter eine wirklich schöne, romantische Geschichte, durch deren Seiten man nur so fliegt. Einmal angefangen ist das Buch schwer aus der Hand zu legen, da zum einen der Schreibstil absolut angenehm ist und zum anderen auch die Handlung immer die richtige Balance zwischen fesselnder Spannung mit offenen Fragen und Romantik zum Dahinschmelzen fand. Beeindruckend ist Jays Entwicklung. Während die meisten Nebencharaktere nur selten mit Details und Entwicklung versehen wurden und ich mir auch bei Konstantin gern noch mehr Tiefe gewünscht hätte, wurde im Gegensatz dazu Jays Gefühls- und Gedankenwelt genial beschrieben. Er wächst mit jeder Herausforderung, macht Fehler und lernt dazu, aber vor allem findet er im Laufe des Romans immer mehr zu sich selbst und das „miterleben“ zu können ist einfach wundervoll.
Mein absoluter Lieblingsnebencharakter ist die Mitbewohnerin der Hauptperson: die rothaarige Jurastudentin und Bloggerin Maren. Getoppt wird das ganze nur noch von der Szene als Maren und Jay gemeinsam Suits (eine meiner Lieblingsserien) schauen und sie sich darüber beschwert, ständig mit Donna verglichen zu werden. Obwohl ich sagen muss, dass ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob die im Buch beschriebenen Szenen der Serie nicht doch ein paar Spoiler enthalten haben.

Alles in Allem ist Pictures Of You ein wirklich schöner, romantischer Roman mit LGBTQIA+ Repräsentation und expliziten sexuellen Schilderungen.

Ich wünsche Euch noch ein wundervolles Wochenende,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 38 – Kim Jiyoung, geboren 1982

Liebe Leser:innen,

obwohl die Thematik in diesem Buch immer wieder schockierend und unglaublich wichtig ist, wird das eine eher kurze Review. In diesem 37. Blog Eintrag soll es um „Kim Jiyoung, geboren 1982“ gehen, ein Buch der koreanischen Autorin Nam-Joo Cho, das den extremen Sexismus, den der Hauptcharakter erdulden muss, scharf auf den Punkt bringt.
Die deutsche Übersetzung wurde am 11. Februar 2021 veröffentlicht und Ihr findet sie unter der ISBN 9783462053289. Mein Exemplar wurde mir von NetGalley.de im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Cover des Buches, Bild von: https://rdw.hgvcdn.de/
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„In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern.“ [Kurzbeschreibung zitiert von NetGalley.de]

In „Kim Jiyoung, geboren 1982“ wird treffend die unschöne Realität des starken Sexismus in Südkorea dargestellt und informativ mit Statistiken belegt. Die Thematik des Buches ist zweifelsohne extrem wichtig und stilistisch sehr gut verpackt. Mehrfach haben mich Situationen, Handlungen oder Äußerungen der Personen Frauen gegenüber sprachlos gemacht. Aber auch die Einstellung vieler Frauen selbst war schockierend. Die Lebensgeschichte Kim Jiyoungs wurde nüchtern und fast schon trocken beschrieben, was sehr gut zu dem Rahmen passt, dass die Geschichte von ihrem Psychiater erzählt wird. Dennoch ist es mir dadurch schwer gefallen, das Buch wirklich gern zu lesen, es konnte mich nicht fesseln, hat mich nicht in den Bann des Geschehens gezogen. Insgesamt ist „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Nam-Joo Cho ein wirklich gutes und authentisches Buch, das man mal gelesen haben sollte.

Die nächsten Rezensionen werden wieder länger, bis dahin wünsche ich Euch eine wunderbare Zeit,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 31 – Mädchen, Frau etc.

Liebe Leser*innen,

in der letzten Woche haben Bernadine Evaristos Worte nicht nur mein elektronisches Bücherregal (an dieser Stelle vielen Dank an NetGalley, wodurch ich dieses großartige Buch als eBook lesen durfte), sondern auch mein Bewusstsein und meinen Geist bereichert. Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Mädchen, Frau etc. kaufen wollt, kann ich euch versichern, dass die darin geschilderten Perspektiven jeden Cent wert sind.

Das Cover ist mit Abstand eines der farbenfrohsten meines Regals und die starken, gesättigten Farben stehen im Kontrast zu der schwarz-weißen Gestaltung der Schrift und der Silhouette. Trotz der zahlreichen Kontraste (Schwarz/Weiß; Komplementärfarben Violett/Gelb; verschiedenste Formen, usw.), den klaren Linien und den satten Farben, was insgesamt sehr viel Energie und Kraft ausstrahlt, erscheint das Cover harmonisch und ist angenehm zu betrachten. Meiner Meinung nach passt diese Gestaltung perfekt zum Inhalt des Buches, zu den vielen verschiedenen Geschichten von starken, unabhängigen, wundervollen Frauen. Müsste ich nur nach dem Cover entscheiden, welche Bücher ich lese, hätte dieses auch dann den Weg in meine Hände gefunden.

Mädchen, Frau etc. von Bernadine Evaristo erschien am 23. Januar 2021 im Klett-Cotta Verlag, nachdem das britische Original bereits am 2. Mai 2019 veröffentlicht wurde und noch im selben Jahr, neben weiteren, späteren Preisen, den Booker Prize erhielt. Ihr findet das Buch unter der ISBN 978-3-608-50484-2.

Evaristo beschreibt in ihrem Roman die Lebensgeschichten von 11 Frauen und einer Person, welche sich als non-binary identifiziert und in einem weiblichen Körper geboren wurde. Jede Person erhielt ihr eigenes Unterkapitel, in welchem dann die Ereignisse aus der Perspektive dieses Menschen geschildert wurden, oft auch in einer für diesen typischen Sprache, wodurch die Charaktere authentisch wirkten. Jedoch standen alle Kapitel in einem Zusammenhang: Zentrum der Handlung war im wesentlichen die Premiere des von Amma inszenierten Stücks: „Die letzte Amazone von Dahomey“. Alle Personen, welche für ein Unterkapitel die Hauptperson waren, waren entweder bei der Premiere anwesend, lasen davon oder waren mit jemandem verwandt, der dort war. Abgesehen von Penelope identifizierte sich auch kein Charakter als weiß, alle wurden entweder selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren oder hatten enge Verwandtschaft, für die das zutraf.

Inhaltlich stellt Mädchen, Frau etc. einen herausragenden, wichtigen und längst überfälligen Einblick in das Leben von Frauen dar, die mit sehr viel Leid, Verlust und Diskriminierung leben mussten und müssen. Außerdem wird mehr als deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Haltung von Menschen sein kann, die eigentlich das Gleiche erreichen wollen. Besonders gut hat mir aber die Gegenüberstellung der verschiedenen Generationen gefallen, die zum einen die Entwicklung der Gesellschaft sehr deutlich gemacht hat, aber zum andern auch darauf aufmerksam macht, den älteren Generationen zuzuhören, aus ihren Erfahrungen zu lernen und zu versuchen sie zu verstehen. Meiner Meinung nach schuf Evaristo mit diesem Roman ein hochpolitisches Werk, das Augen öffnet und dazu aufruft, den Fokus auf die wesentlichen Werte, auf deren Herstellung und Wahrung fast alle Bewegungen hinarbeiten, nicht zu verlieren.

Obwohl dieses Werk inhaltlich großartig und schwer von Bedeutung ist, kann ich leider trotzdem keine 5 von 5 Sterne vergeben. Der Schreibstil hat mir besonders zu Anfang Probleme bereitet. Man findet außer Kommas, Frage- und Ausrufezeichen keinerlei Satzzeichen. Sätze sind als Absätze gekennzeichnet und wörtliche Rede war lediglich am Wechsel der verwendeten Personalpronomen zu erkennen. Natürlich zeigt dies eine spezielle, fast schon poetische Stilistik, jedoch habe ich mich bis zum Ende nicht völlig daran gewöhnen können. Deshalb konnte ich während des Lesens nicht so in die jeweilige Geschichte eintauchen, wie es bei anderen Büchern möglich ist und brauchte mehrere Anläufe mich zu motivieren, weiter zu lesen. Das ist bei einem Buch mit so wichtigem Inhalt extrem schade.

Dennoch bleibt Mädchen, Frau etc. ein sehr gutes Buch mit einer zweifellos wirklich wichtigen Thematik. Trotz des anstrengenden Schreibstils, sollte jeder diesen Roman mindestens einmal gelesen haben und sich die Bedeutung dieser keineswegs selten vorkommenden Geschichten und Ereignisse bewusst machen. Diese Worte Bernadine Evaristos sind eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

Ich hoffe Euch geht es gut und ihr könnt die kommende Woche genießen,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 14 – Anansi Boys

Dear readers,

today is the birthday of a very special person, my best friend and partner in every dumb idea I have, therefore I want to dedicate him this blog post by writing about Anansi Boys, a book he recommended and lent me. Love you loads Hefti Boy, thank’s for everything. ❤

Many of you might know the author of the book: Neil Gaiman (*1960). He is a British writer of Science Fiction and Fantasy novels, comics and screenplays. Maybe you have seen Good Omens? It’s a series you find on Amazon Prime with Michael Sheen and David Tennant in the leading roles. The novel this series is based on was written in 1990 by Neil Gaiman and Terry Pratchett.
Anansi Boys was firstly published in 2005 by William Morrow, HarperCollins Publishers in New York. The book I read and used for the pictures is a German distribution translated by Karsten Singelmann. It was printed in 2011 and published by Wilhelm Heyne publishing house in Munich. Often it is portrayed as the second part of American Gods (published 2001), but I think it is easily readable without reading American Gods before.

By comparing those two covers, I definetly like the German edition more. It is simple and elegant. Both covers show the most essential element of the Story: Anansi, a god, the spider. Personally, I’m no huge fan of little, crawling animals that have more than four legs, so I’m really not sure if that book would have caught my attention in a book store or a library. But as I’m no arachnophobic ether and now read and loved the book, I nearly enjoy looking at the cover because I know the story behind it.

That’s the cover I found at goodreads (https://www.goodreads.com/book/show/2744.Anansi_Boys?ac=1&from_search=true&qid=KG6NUnJFxh&rank=1), so I guess that’s one of the more original covers. If you want to see the other editions just look at goodreads, there are nearly all editions shown.

Anansi Boys tells the story of Fat Charlie, a young man who always had some kind of difficult relationship to his father Anansi. As Anansi dies, finds Fat Charlie out, that he had a god as father and a vanished twin brother. And old lady tells him how to contact his brother and as he did so and his brother Spider moved in at Charlie’s, the chaos starts when the main character tries to get rid of his brother. It’s a book full of music and of stories, a mystical and romantic Fantasy tale. My favourite scene is Spider telling his brother how he prepared for their first meeting, he wanted to talk in rhymes, but found only the first line (For all my German-speaking readers I can quote it from page 95: „Blut ruft nach seinesgleichen wie Sirenen in der Nacht“) and ended up with „Tum-tumpty-tumpty-tumpty hat ihm Angst gemacht“ (I guess in the original it’s something like „scared him out“). It shows so perfectly well the mixture of seriousness and humour that this book is written with.

With a capturing writing style, Neil Gaiman whisks the reader away in a world full of stories, imagination and magic. But this world is more than just fantastic, it is also thrilling and at some points a bit spooky. All in all, it’s a great story packed in a gorgeous style, but that’s it. Anansi Boys is an amusing Tale, but it’s not very deep. It doesn’t need to because it wouldn’t fit the kind of book it is, but it is the reason why I probably won’t read it again many times too. If you’re looking for a book to read for enjoyment, to sit down in the evenings and escape your everyday life, it is a perfect choice. If you’re looking for a book that makes you rethink your entire existence, it’s not.

I hope you have enough time to read a bit now as it gets cold outside (last weekend the first snow fell at home, it made my soo happy, just like Lorelai in Gilmore Girls [one of my all-time favourite series, it’s so wonderful, romantic and real]) and cosy inside and the Christmas time started.
I wish you all a great time,
Aly