Blog, Rezension

Blog Entry No. 53 – Lore Olympus

Liebe Menschen,

letzten Montag habe ich über ein Buch geschrieben, das mir wärmstens empfohlen wurde. Heute schreibe ich über einen Comic, der mir von der gleichen Person empfohlen wurde, nur dass mir heute meine Meinung schon ziemlich klar ist, bevor ich diese Rezension anfange zu schreiben.

Habe ich euch je erzählt, wie sehr mich die antike Mythologie fasziniert? Die Geschichten über Gottheiten und Heldentaten waren der Grund warum ich ich in meiner Schulzeit tatsächlich darauf gefreut hatte, Altgriechisch zu lernen (das war es am Ende echt nicht wert. Latein reicht auch, um viele Erzählungen bekannter Dichtenden in Originalsprache zu lesen und bisher gibt es nur eine einzige Dichterin, deren Originaltexte auf Altgriechisch ich ganz gern mal lesen würde – ich spreche von Sappho, für die, die mich nicht kennen ;)). Jedenfalls liebe ich die vielen Geschichten der Antike und bin sehr fasziniert von der den Menschen allzu ähnlich beschriebenen Welt der Gottheiten. Außerdem bin ich ein großer Fan von Comics und Graphic Novels. Dem entsprechend genial finde ich Plattformen wie Webtoon. Dort kann man kostenfrei Comics von noch unbekannten Künstler*innen lesen, selbst Comics veröffentlichen und besagte Kunstschaffende finanziell unterstützen, wenn man viele Folgen am Stück lesen möchte (das System erklärt sich im Grunde von selbst, wenn man mal reinschaut). Nicht mehr ganz so unbekannt ist mittlerweile Rachel Smythe, die Künstlerin hinter Lore Olympus, der Comicserie, um die es mir heute gehen soll.

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Cover von Teil eins.

Lore Olympus nahm seinen Anfang im März 2018 bei Webtoon. Jeden Sonntag (mit einigen wenigen Ausnahmen) erscheint eine neue Episode, sodass nun schon 190 veröffentlicht wurden. Die ersten 115 Folgen bilden Staffel eins. Diese wurde letztes Jahr im November auch als Buch herausgegeben (ISBN 0593160290). Die aktuellste Folge von Staffel zwei bildet das Mid-Season-Finale und das Ende könnte ich mir tatsächlich sogar als finales, tragisches Ende vorstellen, da der Cliffhänger gerade groß genug ist, um sich den Rest selbst vorzustellen. Dennoch freu ich mich schon riesig darauf, bald lesen zu können, wie es wohl weitergeht, denn bisher konnte ich die Folgen ziemlich flüssig am Stück lesen und musste nicht darauf warten bis die nächste veröffentlicht wird. Demzufolge ist die Ungeduld jetzt natürlich noch größer und ich kann mir kaum vorstellen jetzt vier Monate und danach auch immer mindestens eine Woche auf die nächste Episode warten zu müssen. Um mit dieser Ungeduld umzugehen und um meine Gedanken zu teilen, schreibe ich übrigens auch gerade diesen Blog-Beitrag.

Nun aber auch tatsächlich zum Inhalt und meiner Meinung: In Lore Olympus geht es im wesentlichen um die Geschichte von Persephone und Hades, an Hand derer aber auch andere Erzählungen der Mythologie mit beleuchtet werden. So zum Beispiel die Herrschaft von Kronos, die Geschichte von Eros und Psyche oder Zeus‘ zahlreiche Affären.

Wie gesagt, im Gegensatz zu meiner letzten Rezension habe ich mir dieses Mal meine Meinung schon gebildet. Falls es nicht schon durchklang: Ich liebe es!
Rachel Smythe schafft es auf eine so einzigartige Art und Weise die Moderne und die Antike verschmelzen zu lassen, dass ich sprachlos bin. Ihr Zeichenstil lässt die Magie, die die Mythologie sonst nur in Worten mit sich bringt, spürbar werden und hebt sich außerdem so wunderschön von allen Comic-Stilen ab, die ich bisher gesehen habe. Besonders gut gefällt mir, wie sie mit Farben arbeitet. Jede Figur hat eine eigene Farbe, die sie vollständig trägt, ohne dass es unnatürlich wirkt. Was mich jedoch am tiefsten beeindruckt und berührt hat, ist der Inhalt. Wie gesagt, ich bin sehr fasziniert von der antiken Mythologie und finde es großartig, sie nun als Comic lesen zu können, aber es sind nicht die antiken Erzählungen als solche, die einen so starken Eindruck bei mir hinterlassen haben: Es ist die Art und Weise, wie tief traumatische Erlebnisse thematisiert werden, ehrlich, glaubwürdig und erschütternd, und trotzdem Raum für Humor, Romantik und die „kleinen“ Probleme des Lebens bleibt. Es ist so herzerwärmend den Charakteren dabei zuzusehen, wie sie immer noch an ihren Herausforderungen wachsen, obwohl sie unsterblich und als Gottheiten auch irgendwie heilig sind. Lore Olympus lässt die Aussage „sie sind auch nur Menschen“ gleichzeitig wahr und unwahr werden.

Um nicht zu spoilern und da die Entwicklung der Figuren ja noch nicht abgeschlossen ist, da ich gerade wortwörtlich mitten in der zweiten Staffel bin, sage ich an dieser Stelle nichts zu meiner Sympathie und Antipathie zu einigen Charakteren, aber seid euch gewiss: Ich habe meine Lieblinge und bin mit einer Verkörperung nicht besonders zufrieden, weil sie an der Vorstellung, die ich in meiner Kindheit und Jugend von dem betreffenden Gott hatte, kratzt, aber ich muss zugeben, dass es so einfach stimmig ist.

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Cover bei goodreads des geplanten zweiten Buches.

Abschließend also nur folgendes: Lore Olympus ist großartig! Schaut auf jeden Fall mal rein, es lohnt sich sehr. Ich bin schon super gespannt auf die nächsten Folgen und hoffe sehr, dass die zweite Staffel wie geplant im Juli diesen Jahres als Buch erscheint. Wenn ihr noch andere (Webtoon) Comics empfehlen könnt, vor allem wenn sie ähnlich schön gezeichnet sind und/oder queere Inhalte haben und/oder sie euch einfach gut gefallen haben und ihr der Meinung seid, dass mehr Menschen diese Comics kennen sollten, schreibt gern Empfehlungen in die Kommentare. Ich muss nun schließlich vier Monate auf die nächste Lore Olympus Folge warten und habe nichts dagegen mir die Zeit mit anderen Comics zu vertreiben. ^^

-schönes Wochenende und alles Liebe, Aly

PS: vielleicht bekommt ihr ja auch schon bald gute Empfehlungen von der Person, die mir Die rote Königin und Lore Olympus empfohlen hat 😉

Blog, Rezension

Blog Entry No. 52 – Die Rote Königin

Liebe Lesenden,

eigentlich wollte ich das Buch dieser Woche in Originalsprache lesen und eigentlich wollte ich auch keine Rezension schreiben, weil noch einige andere Bücher auf eine Rezension warten, aber…. bei Spotify findet man das deutschsprachige Hörbuch und da ich gerade kein Hörbuch mehr zum nebenbei hören hatte, passte es perfekt. Den Entschluss nun doch eine Rezension zu schreiben, fasste ich, als goodreads nach meiner Bewertung fragte und ich beim besten Willen keine geben konnte, weil ich schlicht absolut keine Ahnung hatte, wie mir das Buch gefallen hat. Deshalb schreibe ich jetzt eine Rezension, deren Ausgang ich selbst noch nicht kenne, in der Hoffnung, danach zu wissen, wie viele Sterne ich Victoria Aveyards Die Rote Königin geben werde.

Hier die wichtigsten Infos: Geschrieben von Victoria Aveyard. Erstveröffentlicht im Englischsprachigen Original Red Queen am 10. Februar 2015 im HarperTeen Verlag. Am 28. Mai 2015 folgte dann die deutsprachige Veröffentlichung im Carlsen Verlag. Goodreads Choice Award Winner 2015. Auftaktroman einer Reihe. ISBN 9783551583260.

Klappentext: Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz …

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Cover der deutschsprachigen Ausgabe.

Ich bin nicht wirklich ein Fan des Covers der deutschsprachigen Ausgabe. Das des Originalromans gefällt mir gut, schlicht und aussagekräftig, aber dieses hier wirkt irgendwie melodramatisch. Klar, die Idee die Spaltung in Rot und Silber auf das Cover zu übertragen ist gut und passend, aber warum muss unbedingt eine Fotografie wie auf jedem dritten Fantasy-Roman in den Hintergrund?

Nun gut, es geht ja eigentlich auch eher um den Inhalt: Ich muss zugeben, meine Erwartungen an den Roman waren ziemlich hoch, weil mir viele Menschen die Bücher von Victoria Aveyard empfohlen haben. Aber so wirklich erfüllt wurden diese Erwartungen eben nicht. Ich habe das Hörbuch innerhalb der letzten zwei Tage im wesentlichen am Stück durchgehört. Das ist tatsächlich eher ungewöhnlich für mich, da ich normalerweise nach spätestens zwei Stunden erst einmal etwas anderes hören muss, um das Interesse nicht zu verlieren. Insofern bekommt das Buch auf jeden Fall Pluspunkte dafür dass es fesselnd war und ich mich nicht gelangweilt habe. Allerdings ist es auch nicht so spannend gewesen, dass es Fragen aufwirft und ich unbedingt wissen will wie es weiter geht. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Handlung auf mich ziemlich voraussehbar wirkte. Keiner der Plot Twists hat mich wirklich überrascht und vom Hocker gehauen. Bücher in diesem Genre leben von Verrat, wodurch ich als Lesende sowieso damit rechne, dass sich die „Guten“ als doch nicht so vertrauenswürdig und die „Bösen“ als nachvollziehbar handelnd herausstellen. Ein gutes Gegenbeispiel ist Throne of Glass von Sarah J. Maas (also bisher zumindest, ich kenne erst die ersten beiden Teile). Hier blieben vergleichsweise viele Freund*innen des Hauptcharakters vertrauenswürdig und genauso auch Antagonist*innen fragwürdig und trotzdem (oder vielleicht unter anderem auch gerade deswegen – ich habe nun schon zwei Bücher lang darauf gewartet, dass Celaena folgenschwer und tragisch verraten wird, aber alles hielt sich in Grenzen) war die Handlung spannend und fesselnd.

So. Wo war ich? Ach ja, voraussehbare Handlung. Vielleicht fällt mir das auch vor allem deshalb so stark auf, weil mir die Autorin mit ungefähr folgenden Worten empfohlen wurde: „Sie ist eine Meisterin darin, die Geschichte und die Charaktere so zu schreiben, dass man am Ende total zerstört niemandem (der Personen im Buch) mehr vertraut.“ Ich habe nicht mitgezählt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Mare mindestens drei mal direkt gesagt wird, dass sie niemandem vertrauen darf. Dass nach diesem offensichtlichen Foreshadowing auch genau das passiert – oh Überraschung, sie wird verraten, weil sie Menschen vertraut hat, die sie nicht mal seit einem Monat kennt – ist nicht besonders überraschend. Aber um mich nicht zu sehr zu wiederholen, während ich schriftlich denke, noch folgendes: Es werden viele sehr typische Tropes bedient. Man hat die Dreiecksbeziehung (noch dazu natürlich mit Brüdern, die beide Prinzen sind), den Aufstieg aus armen Verhältnissen zur Prinzessin, die bösartige Stiefmutter/Königin, das „besondere“ Mädchen, dass vom Prinzen nicht nur einmal gerettet wird und natürlich der beste Freund aus Kindertagen, der sich nicht retten lassen will und ihr im Endeffekt damit einen Gefallen tut. Die gesamte Handlung wirkte etwas so, als hätte man einfach Die Tribute von Panem mit einem typischen Märchen zusammengeschrieben und etwas Magie und Krieg hinzugefügt. Wobei zumindest einige der magischen Fähigkeiten cool und neu waren – was ich mich in Bezug auf die Magnetoren frage: Sollten die es nicht super leicht haben Menschen, vor allem Rote zu töten, wegen des vielen Eisens im Blut?

Alles noch mal bedenkend – irgendwie fesselnd, obwohl es nicht allzu spannend war; vorhersehbare Handlung, mäßig sympathische Hauptperson und viele bekannte Tropes; recht angenehmes Lese-/Hörerlebnis und nette Fantasywelt um dem Alltag zu entfliehen- würde ich sagen, sind das solide 3 von 5 Sterne. Oder um es mit der Goodreads-Beschreibung der Sterne zu sagen: I liked it. War ganz nett. Ich werde wahrscheinlich die Reihe noch weiter hören, da es auch den zweiten und dritten Teil bei Spotify gibt und ich gespannt bin, ob es noch besser wird.

Das wärs erst mal von mir, danke für’s Lesen meiner Gedanken auf dem Weg zu einer Meinung. 😀

-alles Liebe, Aly

PS: Ich habe eben erfahren, dass heute „Blue Monday“, der angeblich unglücklichste Tag des Jahres ist (immer noch lange dunkel, gebrochene Neujahrsvorsätze, keine Weihnachtsstimmung mehr und naja… Montag halt). Insofern: vielleicht bringt euch mein Beitrag ja zumindest etwas Unterhaltung in diesen Montag und kommt gut durch, in ein paar Stunden ist schon Dienstag 😉

Blog, Rezension

Blog Entry No. 51 – One of the Good Ones

Liebe Bücherfans im Internet,

ich dachte mir, um genial in das neue Jahr zu starten, schreib ich direkt über ein richtig gutes Buch. Deshalb jetzt hier eine Rezension zu One Of The Good Ones, die wahrscheinlich nicht allzu lang wird, weil es fast nichts am Buch zu beanstanden gibt. Viel Spaß.

Diese Woche geht es um One Of The Good Ones von Maika und Maritza Moulite. Ich habe die deutsche Hörbuchausgabe gehört, die mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt wurde. Sie wurde von Florence Adjidome gesprochen und umfasst etwas weniger als 11 Stunden Hörzeit. Ihr findet das Buch unter der ISBN 9783833744037, erschienen ist es am 10. November 2021.

Cover der deutschen Hörbuchausgabe.

Wie bei Felix Ever After wurde auch hier der Originaltitel als Titel für die deutsche Ausgabe belassen, was ich sehr gut finde, denn die Alternative „Eine von den Guten“ wäre an sich zwar auch möglich und denkbar, allerdings bringt die Englische Sprache den Vorteil mit sich, dass die Aussage ohne Geschlecht konstruierbar ist. Im Deutschen hingegen kann man den Titel nicht neutral formulieren, was aber wichtig wäre, da die Aussage dahinter, also der Grund, warum sich überhaupt für diesen Titel entschieden wurde, nicht geschlechtsspezifisch ist, sondern nur in diesem Fall an einer weiblichen Hauptrolle demonstriert wird.
Das Cover mag ich auch, da es Menschen zeigt, ohne Fotografien zu nutzen. Außerdem wird man direkt angeschaut, was eine viel intensivere Wirkung hat als eine andere Art des Covers (bspw. Landschaften oder Muster oder Ähnliches).

Klappentext: Ist es nicht genug, Mensch zu sein?!
Nach einer Demonstration wird die 17-jährige Schwarze Aktivistin Kezi verhaftet. Kurze Zeit später erhält ihre Familie die Information, dass Kezi bei einem Brand im Gefängnis ums Leben gekommen sei. Voller Trauer begeben sich ihre Schwestern Happi und Genny auf eine Reise, die eigentlich noch von Kezi geplant war. Quer durch die USA folgen sie dem sogenannten Green Book, einem Reiseführer, der Schwarzen Reisenden während der Zeit der Rassentrennung in den USA angab, wo sie unbehelligt tanken, essen oder übernachten konnten. Und Happi beginnt darüber nachzudenken, warum ihre Schwester nun zu einer Ikone der BLM-Bewegung wird.

Dieses Buch gehört zu denen, die ich am liebsten jeder Person, die mir begegnet in die Hand drücken würde, mit mindestens fünf Klebezetteln darauf, die allesamt dazu aufrufen, das Buch zu lesen. Nicht nur, dass unglaublich wichtige Themen behandelt werden und Perspektiven von People of Colour die Möglichkeit bekommen, gehört (oder gelesen) zu werden, One Of The Good Ones ist auch sehr vielschichtig. Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen wiedergegeben, was zu Beginn etwas irritierend war (vor allem wenn man nebenbei noch anderen Tätigkeiten nachgeht, wie ich es bei Hörbüchern oft mache, dadurch dass alle Perspektiven von der gleichen Person gelesen werden, habe ich dann manchmal den Wechsel nicht gleich bemerkt), sich aber als starke Bereicherung herausstellte, sobald man einmal drin war. Ab einem bestimmten Punkt greifen die Erzählstränge alle ineinander und ergeben nach und nach immer mehr Sinn, was zu vielen ‚Aha-Momenten‘ führte, die ich bei Büchern immer sehr genieße. Auch die Plot Twists waren bei diesem Roman einige der beeindruckendsten, die ich bisher erlebt habe.

Lest es alle! Oder hört es euch an, die Hörbuchvertonung ist sehr angenehm und authentisch. Lasst People of Colour zu Wort kommen, hört zu und helft dabei Diskriminierung zu bekämpfen. Ich habe noch nie so viel über Afro-Amerikanische Geschichte gelernt, ohne eine wissenschaftliche Arbeit zu lesen. Wir brauchen mehr Bücher mit PoC Stimmen! Vor allem sollten mehr weiß-privilegierte Menschen solche Bücher lesen und sich ihre Privilegien vergegenwärtigen. Ich nehme mich da selbst natürlich nicht raus, auch ich habe in vielen Hinsichten sehr viele Privilegien und noch viel zu lernen.
Aber in One Of The Good Ones wird nicht nur Rassismus thematisiert, sondern auch der Umgang der Kirche (vorrangig in den USA, aber das Problem besteht auch in sehr vielen anderen Ländern) mit Menschen der LGBTQIA+ Community. Die Art, wie der konkrete Konflikt beschrieben wurde, empfand ich als sehr emotional und realistisch, einfach gut geschrieben. Auch hier: bitte mehr davon!

Ich hoffe das Buch zeitnah auf euren To-Be-Read-Listen zu sehen! 😉

-alles liebe, Aly

Blog

Blog Entry No. 50 – Buchhighlights 2021 und TBR 2022

Liebe Menschen,

was wäre ein Jahreswechsel ohne Lesestatistiken, Buchempfehlungen und Vorhaben? Wahrscheinlich nicht viel mehr als das Ende eines Monats oder Tages und ziemlich langweilig. Ich habe versucht Best-Of-Listen zu erstellen, aber ihr kennt es sicherlich, es gibt zu viele zu gute Bücher, um tatsächlich ein oder gar nur drei finale Highlights zu benennen. Deshalb findet ihr im folgenden eine grobe Unterteilung für den Versuch den Büchern gerecht zu werden und trotzdem noch ein paar Empfehlungen und Extra-Lobpreisungen zu geben.

Kategorie I: Generelle, persönliche Highlights des Jahres

  1. Über Menschen von Juli Zeh. Weil mich kein Buch so sehr mitgenommen hat und ich mich in keinem so sehr wiedergefunden habe wie in diesem.
  2. Ich rette die Welt – aber erst mal eine rauchen von A. K. Grundig. Weil es schockierend, grausam und wichtig und gleichzeitig unglaublich inspirierend und schön geschrieben ist.
  3. Gänseblümchen von Elias Finley. Weil es mein Herz tief berührt hat.

Kategorie II: Bücher, die ich jedem empfehle, der mit mir redet – oder: LEST ES ALLE!

  1. Why We Matter von Emilia Roig. Weil ich noch nie so viel über intersektionale Diskriminierung gelernt habe und die Welt plötzlich viel mehr Sinn ergeben hat. Weil es wissenschaftlich und lebensnah geschrieben ist.
  2. Ich rette die Welt – aber erst mal eine rauchen von A. K. Grundig. Weil es mir ein Anliegen ist, dass die Welt von den Kriegssituationen erfährt. Weil kaum ein anderes Buch, das ich 2021 gelesen habe, so wichtig ist wie dieses.
  3. One Of The Good Ones von Maika und Maritza Moulite. Weil ich noch nie so viel über die BLM Bewegung, Rassismus und Afroamerikanische Geschichte gelernt habe, ohne wissenschaftliche Arbeiten zu lesen.
  4. Full Disclosure von Camryn Garrett. Weil es gut geschrieben ist und mir die Augen über Themen geöffnet hat, über die ich zuvor noch nie nachgedacht habe, über die aber häufiger nachgedacht werden sollte.

Kategorie III: Einfach durch und durch schön

  1. Clap When You Land von Elizabeth Acevedo. Weil es nicht nur schön, sondern auch wichtig und gut ist.
  2. Pillow Thoughts I. von Courtney Peppernell. Weil ich gute Gedichte liebe.

2021 habe ich 36 Bücher, 11 801 Seiten vollständig gelesen. Das ist der Wahnsinn. Ich weiß, da draußen sind viele Buchblogger*innen, die hunderte Bücher in einem Jahr lesen und das beeindruckt mich tief. Aber ich habe mich mit diesen 36 Büchern unfassbar stolz gemacht, denn zum einen ist jedes gelesenes Buch ein Gewinn, zum anderen geht es immer darum, dass das Lesen Freude macht, sobald man es nicht mehr gern macht, läuft irgendwas schief, und außerdem hätte ich nie gedacht, dass ich – nachdem ich einige Jahre lang fast gar keine Bücher mehr gelesen hatte – je wieder so viele Bücher in einem Jahr beenden würde. 2021 habe ich mich selbst stolz gemacht und dieses Gefühl des Glücks kann mir niemand nehmen. Ich hoffe ihr findet dieses Gefühl für euch auch, mit was auch immer euch Freude bereitet. ^^

Nun aber auch noch zu einem kleinen Ausblick in das, in seiner gänzlichen Schönheit vor uns liegende, neue Jahr 2022: Es gibt drei Bücher, die ich unbeendet mit in das neue Jahr genommen habe und die ich zeitnah beenden möchte: Sisi: Kaiserin wider Willen von Allison Pataki, Katholisch und Queer von Mirjam Gräve, Mara Klein und Hendrik Johannemann sowie Pillow Thoughts von Courtney Peppernell. Die anderen Bücher auf meiner Currently Reading Liste sind im Moment eher pausiert, weil mir im Moment die Zeit und Stimmung fehlt, ihr kennt es sicherlich. Es gibt aber auch bereits einige Bücher, auf die ich mich schon sehr freue, sie bald lesen zu können. Dazu zählen In all deinen Farben von Bolu Babalola und Die Flüchtigen von Alain Damasio (beide in meinem NetGalley-ToBeRead-Regal), Pillow Thoughts II von Courtney Peppernell, Skin of the Sea von Natasha Bowen und Schutzzone von Nora Bossong (Bücher, die bereits als Paperback oder Hardcover in meinem Regal stehen) und The Poet X von Elizabeth Acevedo, welches ich mir schon seit Monaten kaufen wollte und nun bald ankommen sollte. Aber wenn ihr meinen Lese- und Blogprozess etwas verfolgt, wisst ihr sicher, dass meine Aussagen zu meinen Vorhaben oft eher Ideen und Pläne sind, die selten auch so umgesetzt werden. In diesem Sinne also: Wer weiß was 2022 bringt und worüber ich bald berichten kann. Auf goodreads findet ihr all meine Lese- und Regal-Updates und bei Instagram werde ich versuchen, so aktuell wie meine Energie und Zeit es zulassen, meine Gedanken zu teilen.

Ich danke euch für ein unglaubliches Jahr 2021 und freue mich darauf, auch 2022 meine Gedanken mit euch teilen zu können!

– alles Liebe und ein gesundes neues Jahr, Aly ❤

Blog, Rezension

Blog Entry No. 49 – Felix Ever After

Liebe Leser*innen,

eine letzte Rezension für 2021 möchte ich euch nicht vorenthalten: Kacen Callenders Felix Ever After! Eigentlich wollte ich diesen Roman schon vor einer ganzen Weile in der Originalsprache lesen, aber so wirklich ergeben hat es sich nicht. Als dann aber die deutsche Ausgabe im Lyx Verlag erschien und auch direkt bei NetGalley zur Anfrage verfügbar war, gab es keine Ausreden mehr, ich musste es einfach lesen.

Cover der deutschsprachigen Ausgabe im Lyx Verlag

Felix Ever After wurde am 5. Mai 2020 bei Balzer + Bray veröffentlicht und erschien am 29.10.2021 in Deutschland beim Lyx Verlag. Kacen Callenders gewann bereits den Stonewall Book Award sowie den Lambda Literary Award und ist besonders für die preisgekrönten Bücher Hurricane Child, Queen of the Conquered und King and the Dragonflies bekannt. Der Roman, um den es in dieser Rezension gehen wird, wurde vom TIME MAGAZINE zu einem der 100 wichtigsten und einflussreichsten YA-Bücher gewählt und ist unter der ISBN 9783736316829 zu finden. Mir wurde ein Rezensionsexemplar von Netgalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

An diesem Cover gibt es zwei Aspekte, die ich sehr mag und hervorheben möchte: Zum einen bin ich ein großer Fan davon, wenn Cover den Inhalt des Buches aufgreifen, was in diesem Fall auch sehr offensichtlich gemacht wird, denn Felix malt in der Geschichte eine Reihe von Selbstportraits, unter anderem ein farbenfrohes, auf dem er eine Krone aus Blumen trägt. Zum anderen finde ich es auch schön, wie ähnlich das Cover der deutschsprachigen Ausgabe dem der Originalausgabe ist. Auch den Titel nicht zu verändern halte ich für eine gute Entscheidung, weil in diesem Fall sehr wahrscheinlich das Wortspiel komplett verloren gegangen wäre.

Das Cover der Originalausgabe, zu finden bei goodreads

Klappentext: Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt – die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans – die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft…

Felix Ever After war das erste Buch seit einiger Zeit, das ich innerhalb weniger Tage geradezu verschlungen habe. Der Schreibstil war super angenehm und authentisch, man konnte sich wirklich gut in die Geschichte einfühlen. Dadurch, dass die Handlung aus Felix‘ Perspektive geschildert wird, war außerdem die emotionale Nähe gegeben, die bei solchen Romanen einfach unerlässlich ist. Hinzu kommt, dass sich der Plot aus einer sehr gut ausbalancierten Mischung aus Romantik, Emotion, Spannung und wichtigen Themen zusammensetzt.

Wichtiger als über den Schreibstil zu reden, ist es aber den Inhalt zu thematisieren: Felix Ever After ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gute Repräsentation aussehen kann. Es war herzzerreißend, zu lesen, welch enorme Selbstzweifel Felix hat, weil er sich noch nie richtig verliebt hatte, Schwarz, trans* und queer ist und es trans*feindliche Menschen gibt, die ihm mitten ins Gesicht sagen, er wäre frauenfeindlich, weil er sich „entschieden“ hätte, nicht weiblich zu sein. [So viel Bullsh*t in einer Aussage und das von einer queeren „Feministin“, Buchcharaktäre haben mich selten so derart sauer gemacht!] Viel schlimmer noch war jedoch, zu wissen, dass das, was man da liest, für so so viele Menschen die grausame Realität ist. Es tut so weh zu wissen, dass es tatsächlich Personen gibt, die der Meinung sind, man würde sich für sein Geschlecht entscheiden, noch dazu, um dem Feminismus zu schaden. Es tut weh, zu wissen, dass tatsächlich immer noch Menschen enterbt und verstoßen werden, nur weil sie sich nicht entsprechend der cis-hetero-Norm verlieben. Es ist so schmerzhaft jedes Jahr aufs neue die Zahlen des Trans Murder Monitoring Projekts zu sehen, zu sehen, dass jedes Jahr mehr Menschen diskrimiert werden, Gewalt erfahren und umgebracht werden, weil sie trans*, Schwarz, indigen, of Colour und/oder queer sind (mehr Informationen findet ihr hier und hier).

https://transrespect.org/en/tmm-update-tdor-2021/

Genauso alarmierend ist es ebenso die Statistiken zur Suizidrate und Mentalen Gesundheit queerer junger Menschen zu sehen (Hier am Beispiel der USA: Trevor Project’s 2021 National Survey on LGBTQ Youth Mental Health).
Aber genau deshalb braucht es mehr Bücher wie Felix Ever After. Denn so schmerzhaft es war von dem Hass, dem Unverständnis und den dadurch verstärkten Selbstzweifeln zu lesen, so wohltuend war es so viele queere Menschen in einem Buch zu haben (das ist, nebenbei bemerkt, auch viel realistischer, queerios travel in packs, my dear), von dem, wie ich finde wirklich gut beschriebenen, Gefühl zu lesen, wenn man das Label findet, das tatsächlich zu der Art und Weise, wie man (sich) fühlt passt und vor allem Felix‘ Entwicklung zu erleben. Felix Ever After ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wirklich gute Repräsentation aussehen kann, bitte mehr davon! Außerdem lag der Fokus der Erzählung nicht nur auf der Romantik, sondern vor allem auch darauf, die eigene Identität, dein eigenen Weg zu finden und das in Jugendliteratur zu transportieren ist unglaublich wichtig. Es ist okay, wenn man sich nicht im Jugendalter verliebt, es ist okay, wenn man sich überhaupt nicht verliebt und es ist okay, die eigenen Ziele zur Priorität zu machen.

Felix Ever After ist ein unglaublich wichtiges (Young Adult) Buch, von welchem die Buchhandlungen und Bibliotheken ganz dringend mehr in den Regalen stehen haben sollten. Mein abschließendes Urteil also: Der Hype ist verdient!

– ganz viel Liebe, Aly

Blog, braindump

Blog Entry No. 48 – Zusammengewürfelte Gedanken am Ende von 2021

2021 ist so gut wie vorbei und ich sitze hier und schaue der Zeit beim Vergehen zu. Als ich heute all meine Blogbeiträge noch einmal gelesen habe, ist mir bewusst geworden, wie lang mich dieser Blog und meine Stimme als Alyrene schon begleitet. Mein Blog ist im wesentlichen ein sehr langes Selbstgespräch, dem die Öffentlichkeit zuhören und das sie kommentieren kann, wenn sie das will. Was also habe ich mir heute zu sagen? Am Ende eines unglaublich vielschichtigen Jahres, das im Grunde trotzdem kaum Veränderung gebracht hat?

2021 ist in kaum einem Wimpernschlag vergangen. Es ist so viel passiert, so viel hat sich verändert, subjektiv, in meinem ganz persönlichen Drama zumindest.
Von weit weg betrachtet wirkt es kaum so, als hätte sich etwas bewegt.
Manchmal ist es schwer, optimistisch zu bleiben und die kleinen guten Entwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren, aber ich glaube, es lohnt sich.

2021. Was gibt es noch zu sagen? Danke.

2021 ist ein Jahr, in dem ich so viel gelesen und geschrieben habe, wie seit wirklich langer Zeit nicht mehr, vielleicht sogar wie noch nie. Einige Bücher wurden rezensiert, andere nicht, viele werden es noch, ich habe goodreads lieben und nutzen gelernt. Einige meiner eigenen Texte wurden gelesen, andere nicht, ich weiß noch nicht wie viele noch in welchem Ausmaß gelesen werden dürfen, ich habe notion lieben und nutzen gelernt. Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass alles, was ihr bisher so geschrieben habt, eigentlich nur ein Haufen Mist ist, den Drang einfach alles zu löschen und noch mal neu anzufangen? Es gibt Momente, in denen schäme ich mich fast schon für meine Texte (Momente in denen ich dankbar für das Pseudonym bin) und will sie eigentlich niemandem zeigen, aber Fakt ist, einige sind schon seit Monaten online, also ist es nun auch egal oder? – Gedanken die ich beim Lesen und Kommentieren meiner alten Blogbeiträge hatte.

2021 hatte und habe ich so viele Ideen für diesen Blog wie ich wenig Zeit hatte, sie auch umzusetzen. Vieles wurde auf Notizzettel geschrieben und angekündigt und ist letztlich doch im Sand verlaufen. Ich kann nur hoffen und an mir arbeiten, dass das irgendwann anders wird, aber realistisch betrachtet, habe ich einfach kein Talent dafür, mir Zeit frei zu halten, in der ich solche Vorhaben umsetzen könnte. Deshalb wird Alyrene’s Blog wohl auch 2022 eher eine lose, unregelmäßige Ansammlung an Gedanken zu Büchern und meinem Leben bleiben. Aber das ist in Ordnung. Wie gesagt, im wesentlichen ist dieser Blog ein sehr langes Selbstgespräch, dem die Öffentlichkeit zuhören und das sie kommentieren kann, wenn sie das will, aber ich bin der Mensch, der redet.

2021 ist nun fast zu Ende und ich hoffe, euch geht es gut, wo auch immer ihr seid, was auch immer ihr macht, wer auch immer ihr seid. Ich wünsche euch einen guten Start in das neue Jahr 2022! Auf dass im kommenden Jahr die Welt vielleicht ein bisschen besser wird.

-alles liebe, Aly

Blog, Rezension

Blog Entry No. 47 – Schöne Welt, wo bist du

Liebe Leser*innen,

heute geht es um ein Buch einer irischen Schriftstellerin. Diese Rezension kommt tatsächlich nicht nur so lang nach Beenden des Buches, weil mein Leben chaotisch ist, sondern auch, weil ich erst mal einige Zeit brauchte, um über Schöne Welt, wo bist du nachzudenken. Nun findet ihr meine Gedanken gesammelt an einem Ort, viel Spaß beim Lesen:

Schöne Welt, wo bist du, im Original Beautiful World, where are you, wurde von der Irin Sally Rooney geschrieben und am 7. September diesen Jahres veröffentlicht. Das deutschsprachige Hörbuch, zu finden unter der ISBN 9783957132529, erschien im Hörbuch Hamburg Verlag, umfasst eine Hördauer von 11 Stunden und wurde von Julia Nachtmann gesprochen. Mir wurde ein Exemplar des Hörbuches von NetGalley im Austausch einer ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt.

Klappentext: Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alices beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den Verlust ihrer Freundschaft wert?
Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. »Schöne Welt, wo bist du« ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost.

Ich habe kurz überlegt, den Inhalt noch einmal kurz mit eigenen Worten zusammenzufassen, aber der Klappentext verrät im Grunde bereits alles wichtige.

Ich mochte den Schreibstil sehr. Besonders die E-Mails zwischen Alice und Eileen, die man immer wieder lesen/hören konnte, waren an vielen Stellen sehr philosophisch und inspirierend. Leider war der eigentliche Plot des Buches nicht wirklich vorhanden. Alles wirkte sehr nach einer Standard-Romanze, in der es im wesentlichen auch nur darum geht, wie sich die Beziehungen entwickeln. Diese Art des Plots kann spannend sein, aber in Schöne Welt, wo bist du fehlte mir schlicht die Tiefe der Charaktere und der Spannungsbogen der Geschichte. Hinzu kommt, dass alles ziemlich voraussehbar war.

Wie gesagt, die E-Mails regten im Gegensatz zum Plot an einigen Stellen doch sehr zum Nachdenken an, jedoch stehe ich besonders einer Aussage sehr kritisch gegenüber. Wie ich es bereits in meinem Beitrag zu Fridays For Future angedeutet habe, meint Eileen an einer Stelle ihrer Mail, dass die Welt vielleicht gerade deshalb untergeht, weil wir Menschen nur an Freundschaft, Sex und Liebe denken und uns deshalb nicht mehr um den Planeten kümmern. Ihrer Meinung nach wäre das doch eigentlich ein schöner Grund, warum die Welt untergeht. Diese Aussage halte ich für sehr problematisch, denn sie ist zwar wahrscheinlich romantisch gemeint (wie in den Filmen, in denen sich das Liebespaar in dem Moment das erste mal küsst und ‚endlich vereint ist‘, in dem um sie herum alles zusammen bricht, das Schiff untergeht oder ein Vulkan ausbricht), berücksichtig aber in keinster Weise, dass dann nichts desto weniger trotzdem alle Menschen sterben, inklusive der geliebten Personen im direkten Umfeld. Zerstörtes Leben bleibt zerstörtes Leben und man sollte alles dafür tun, Leben zu schützen.

Ein weiterer Punkt, den ich gern ansprechen würde, ist die Bi-Repräsentation im Buch, denn sie ist vorhanden, was mich an sich sehr gefreut hat, aber ich stehe ihr dennoch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Gut fand ich, dass thematisiert wurde, wie wenig vor allem Bi-Männer gesellschaftlich akzeptiert werden und dass zumindest bei Alice nicht das typische Klischee bedient wurde, hinsichtlich des unbegründeten Vorurteils bisexuelle Menschen würden mit jeder Person schlafen, die nicht bei 3 auf dem Baum ist. Was ich jedoch kritisch sehe, ist das abgesehen von zwei bisexuellen Figuren das restliche Umfeld voll und ganz in die Cis-Hetero-Norm passt, was ich für nicht repräsentativ und kein Stück realistisch halte. Queere Menschen kommen selten so vereinzelt vor. Wo ist die queere Community der beiden?!

Extrem kritisch fiel mir außerdem die Szene in Italien auf, in der Alice und Felix darüber reden, welche moralisch verwerflichen Sachen sie in ihrem Leben schon gemacht haben. Um Spoiler zu vermeiden, werde ich jetzt nicht auf Details eingehen, gesagt sei jedoch, dass an dieser Stelle Handlungen und Ansichten auf, wie ich finde, sehr unangebrachte Weise in Relation gesetzt wurden, die eindeutig unabhängig voneinander auch außerhalb eines Romans gesellschaftlich mehr thematisiert sowie angemessen und stärker kritisiert werden sollten.

Alles in allem war Schöne Welt, wo bist du ein netter Roman, der an einigen Stellen durchaus inspirierend war und zu Diskussion anregen kann, aber den extremen Hype kann ich absolut nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach war das Buch als solches – denn als Hörbuch wurde es wirklich angenehm gelesen – einfach nicht wirklich gut, sondern eher ziemlich langweilig. Die E-Mails hätte man auch in einer Essay-Sammlung oder Ähnlichem veröffentlichen können.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und bleibt gesund,
Aly

Blog, Rezension

Blog Entry No. 46 – Things To Do Before The End Of The World

Dear Readers,

as always: I review the books in English, which I read in English, but it has been a while since I wrote the last one in the English language, so there might be a few more mistakes than usual. Don’t be shy to tell me, if you find any 😉
This is one of my summer-reads (actually my main summer-read, because I didn’t manage to read as much as I wanted to).

Things To Do Before The End Of The World (I’m gonna shorten it to „TtdBtEotW“ from now on) was published on May 6th 2021 by Penguin. The paperback comprises 358 pages, you can find it with the ISBN 0241345278. I bought this one for myself in my second-most favorite bookstore at home. Emily Barr is a bestselling author known for writing Young Adult Thriller (I think TtdBtEotW perfectly fits in those genres), maybe you know The One Memory of Flora Banks (2017) or The Truth and Lies of Ella Black (2018).

Plot: One minute you’re walking in the park, hiding from a party. Then you discover that the next nine months will probably be your last. Everyone’s last. You realise that you happen to be alive at the time when your species becomes extinct.
You have to decide whether to go with it meekly like you usually do, or to do something brave, to live your last months with all the energy and bravery you can muster, to rage against the dying of the light.

Olivia struggles to live her real life as fully as she wants to. She plans out conversations and events in her head but actually doing them and interacting with other people is hard. When the news breaks that humans have done such damage to the earth that there’s only nine months of safe air left everybody makes bucket lists and starts living their best lives – everyone, that is, but Olivia who is still struggling to figure out who she wants to be.
Then out of the blue comes contact from a long-lost cousin Olivia didn’t even know exsisted. Natasha is everything Olivia wants to be and more. And as the girls meet up for their last summer on earth Olivia finds Natasha’s ease and self-confidence having a effect on her. But what if Natasha isn’t everything she first appears to be . . . ?

After all, I’m not quite sure why I bought the book in first place. I mean, the cover is beautiful with its shiny letters, the blury Paris skyline and its overall mostly red appearance (red is one of my favourite colours, maybe I got influenced more or less subconsciously or something), but I remember going to the bookstore that day with the thought in my head that I really need more queer content in my bookshelf. Though TtdBtEotW actually contains a queer main character that’s basically already it and it isn’t even recognizable from the plot summary on the back or the first pages or something (Which is a good thing regarding the queerness wasn’t used to market it). Well, maybe it was the perspective of the upcoming summer and climate change combined with the pretty cool chapter design – every chapter is named like a thing on a to do list. However, I bought it, read it and reviewed it, here you go:

I really liked the style of writing. Even though I didn’t quite like the plot building (gonna talk about it) the book was still catching and I think that’s mainly because of the engaging and personal writing style. The reader gets to know Olivias (aka Libby) perspective, so it’s like experiencing the story for oneself which makes reading it emotional. Also, I liked the main character herself. I was able to relate to her very well – probably because of my personal experiences of being a shy introvert, not being brave enough to talk to/kiss the human I like and because I know how much guts it takes to travel alone or with people one doesn’t know long enough – though I got a little annoyed with her in the end, it made her appear more human and real, because it didn’t become to much. Frankly, I didn’t quite get her mom till the very end, but that’s alright I guess, it fitted the story. To say one last thing about the characters: Olivias dad and Zoe are great, I really liked them and their development (though I would have loved to read more about Zoes growth).
Coming to the unpleasant part of the review: The reason why I just gave 3 out of 5 stars: The idea behind the plot is gorgeous, I loved reading about what people do, knowing they won’t have long to live on earth, I loved reading about the last summer and I loved reading about Olivias personal growth, but the actual plot wasn’t nearly as satisfying as I thought it would be. The main part of the book is about how Natasha comes into the lives of Libby and her family and creates a big deal of chaos. While reading I got the impression nothing really happend till the last quarter of the book. Of course, the plot twist needs preparation and some things must have happened in order to keep the story going, but it only became thrilling as the book was nearly finished. Also, there have been some pretty obvious hints which lead to an „I told you so“-impression reading the big thrilling point of TtdBtEotW. But nevertheless I liked the ending the most. I enjoyed how the situation was solved and loved reading the last few pages, because they contain big emotions and are written in a philosophical/emotional way. Maybe you know that I always read the first and the last sentence of a book before starting to read it; those two sentences of TtdBtEotW are some of my favourites: „You know when you worry about everything all the time?“ „I
breathed.“

In summary, Barrs book was a nice summer-read that made me think about how society would react knowing the world was ending and what I would do with my life, if I got such a message and though the ending was great and I liked the characters, it wasn’t much more than a nice book. But before I leave you with the question what you would wanna do before human life ends on this planet (please feel free to comment if you like, it would really interest me), I’ll give you the List of my Things to do before the end of the world as it stands now.

Visit my brother and his family in Australia (in terms of the book probably with a ship and then stay there till the end). Do a parachute jump. Get at least one tattoo (actually already planned). Tell the girl, that made me realize I’m not straight, how much I like her. Tell the people I love that I love them. Be happy. No need to hide.

To be fair, the last ones are quotes, but my favourite part of TtdBtEotW summarizes it perfectly: „‚They say you should live every day as if it were your last,‘ he said, ‚but when it comes down to it that’s not really it, is it? Live every day as if it might not be your last. That kind of works better.‘ ‚Live every day as if you had a future.'“

-love, Aly

Blog, Rezension

Blog Entry No. 45 – Back again und Why We Matter

Liebe Leser*innen,

es ist Oktober, einer meiner Lieblingsmonate und es ärgert mich sehr, dass ich ihn bisher noch nicht so nutzen konnte, wie ich es liebe: in Decken und Kissen gekuschelt mit Kakao oder Chai-Latte und einem guten Buch während es draußen vor dem Fenster stürmt und regnet. Stattdessen bin ich umgezogen, habe ehrenamtlich bei der Tagung zum Synodalen Weg geholfen, habe meine neue Arbeit (im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes) begonnen und bin eine Woche zu einem Seminar gefahren. So sehr ich es liebe, ein aufregendes Leben zu haben, so sehr freue ich mich trotzdem jetzt auf ruhigere Tage. Um es gebührend zu feiern, dass es bald endlich wieder regelmäßige Blogbeiträge gibt, werde ich mit einem Jahreshighlight-würdigem Buch beginnen: Why We Matter von Emilia Roig.

Die Politologin und Aktivistin Dr. Emilia Roig ist eine renommierte Expertin für Intersektionalität, Vielfalt, Gleichberechtigung, Inklusion und Antidiskriminierung. Die 380 Seiten umfassende Hardcover Ausgabe ihres Buches Why We Matter – Das Ende der Unterdrückung erschien am 15. Februar 2021 im Aufbau Verlag. Das von Dr. Roig selbst gelesene Hörbuch wurde am 25. Juni diesen Jahres veröffentlicht und mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt. Ihr findet das Hörbuch unter der ISBN 9783961054244.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, verrät im Grunde nichts über den Inhalt des Buches (vom Titel natürlich abgesehen) und sticht trotzdem genau dadurch hervor. Meiner Meinung nach ist diese Gestaltung absolut passend für ein sachliches Buch wie dieses. Ich finde, nebenbei bemerkt, übrigens den Titel einfach großartig.

Klappentext: Wie erkennen wir unsere Privilegien? Wie können Weiße die Realität von Schwarzen sehen? Männliche Muslime die von weißen Frauen? Und weiße Frauen die von männlichen Muslimen? Die Aktivistin und Politologin Emilia Roig zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie, in der wie unter einem Brennglas Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homophobie und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen –, wie sich Rassismus im Alltag mit anderen Arten der Diskriminierung überschneidet. Ob auf der Straße, an der Uni oder im Gerichtssaal: Roig schafft ein neues Bewusstsein dafür, wie Zustände, die wir für „normal“ halten – die Bevorzugung der Ehe, des männlichen Körpers in der Medizin oder den Kanon klassischer Kultur – historisch gewachsen sind. Und dass unsere Welt eine ganz andere sein könnte. „Emilia Roig deckt die Muster der Unterdrückung auf und leitet zu radikaler Solidarität an. Sie zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie –, wie Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homofeindlichkeit und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen. „Radikal und behutsam zugleich. Dieses Buch ist ein heilsames, inspirierendes Geschenk.“ Kübra Gümüsay „Die Antwort auf viele Fragen unserer unsicheren Zeit heißt: Gleichberechtigung aller. Und dieses großartige Buch ist ein Schritt auf dem Weg dahin.“ Sibylle Berg „Dieses Buch wird verändern, wie Sie die Welt wahrnehmen und Sie verstehen lassen, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet.“ Teresa Bücker

Dieses Hörbuch zu hören war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe sehr sehr viel über mich, meine Wahrnehmung, die Gesellschaft in der ich lebe und das komplexe Zusammenspiel von verschiedensten Diskriminierungsformen gelernt und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass mir zumindest ein Stück weit die Augen geöffnet wurden, sodass ich nun hoffentlich diskriminierende Situationen besser erkenne und angemessener handeln kann. Ein einzelnes Buch kann natürlich leider keine Wunder bewirken, aber Why We Matter trägt einen bedeutenden Teil zu einer aufgeklärteren Gesellschaft bei. Außerdem ist es nicht trocken und faktengeladen geschrieben, Roig erhebt keinen Anspruch auf absolute, objektive Wahrheit (zu der Thematik gibt es auch ein wirklich interessantes Kapitel), sondern verwebt ihre Aussagen mit persönlichen Erfahrungen, wodurch es authentisch bleibt und man sich besser einfühlen kann. Zudem bewirkt es hinsichtlich der Authentizität und Sympathie auch viel, dass die Autorin ihr Buch selbst liest.

Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie großartig ich dieses Buch fand. Lest es alle! Why We Matter ist definitiv ein fester Kandidat für meine persönlichen Jahreshighlights, schon einfach weil ich so viel gelernt habe, das Thema so unglaublich wichtig ist und trotz der hohen Komplexität alles verständlich, inspirierend und berührend geschrieben wurde.

Ich hoffe Why We Matter bald auf eurer aller tbr-Listen zu sehen und wünsche euch ein paar schöne Herbsttage,
Aly

Blog, Texte

Blog Entry No. 44 – Fridays For Future: Warum es nicht genug ist, sich nur um die liebsten Menschen zu sorgen

Liebe Lesenden,

heute geht es nicht um Bücher, Rezensionen oder Geschichten, sondern um die niederschmetternde Realität. Dennoch möchte ich mit einem sinngemäßen Zitat aus meinem aktuellen Hörbuch (Schöne Welt wo bist du von Sally Rooney) beginnen: Vielleicht ist es zu viel gewollt, die Welt zu retten und alles zu erreichen, glücklich wird man davon ja doch nicht. Vielleicht ist es der Sinn des Lebens zu lieben, sich um seine Lieben zu kümmern. Wenn die Welt untergeht, weil die Menschen nur an Sex und Freundschaft gedacht haben, wäre das doch zumindest ein schöner Grund.

Heute finden überall auf der Welt Klimastreiks statt. Ich befinde mich unter den Kieler Protestierenden, weil ich nicht der Meinung bin, dass es reicht sich um seine Nächsten zu sorgen. Besonders so kurz vor der Bundestagswahl (an dieser Stelle direkt noch einmal der Aufruf: Geht wählen wenn ihr könnt! Die Demokratie funktioniert nur, wenn man von seiner Stimme auch Gebrauch macht. Protest-Nicht-Wählen hilft niemandem, weil es dann auch keine Menschen im Bundestag gibt, die die eigene Meinung zumindest in einigen Aspekten repräsentieren können.). Wir leben in einer Zeit, in der sich die Art des menschlichen Fortbestands entscheidet. Die Menschen, die jetzt leben, jetzt Entscheidungen treffen, jetzt gewählt werden, haben es in der Hand einen drastischen, schon jetzt lebensbedrohlichen Klimawandel noch soweit wie möglich zu verhindern. Wenn wir tatenlos dabei zusehen, wie sich unser Planet erhitzt, wird es irgendwann keine Regionen mehr geben, von denen aus sich die Nachrichten von Naturkatastrophen angesehen werden können. Es ist noch nicht lang her, dass auch weitflächige Gebiete in Europa in Flammen standen und von Fluten zerstört wurden.

Wir müssen anfangen zu handeln, wenn wir eine sichere, lebenswerte Zukunft für uns und die Generationen nach uns wollen. Was bringt es, wenn die Welt wegen „eines schönen Grundes“ untergeht, wenn man trotzdem dabei zusehen muss, wie die Menschen, die man liebt, im Hochwasser ertrinken, in Bränden sterben oder ersticken, weil der Permafrostboden auftaut (dazu mehr, wenn es um Things to do before the end of the world geht). Diese Aussichten sind beängstigend. Aber noch können wir etwas dagegen tun. Das Leben weitestgehend bis vollständig plastikfrei und ohne tierische Produkte gestalten (das Ausmaß der für die Tierhaltung benötigten Sojaimporte, die wiederum landwirtschaftliche Fläche einheimischer Bauern in Lateinamerika, Afrika und anderen Regionen der Erde beanspruchen und für die enorme Flächen Regenwald abgeholzt werden, ist leider vielen Menschen nicht bewusst). Produkte reparieren und wieder verwenden (eventuell zweckentfremden) statt wegzuschmeißen und neu zu kaufen. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Fahrgemeinschaften bilden, Fahrrad fahren und zu Fuß gehen, statt jede Strecke mit dem Auto zu fahren. Nicht zwingend notwendige Flugreisen unterlassen. Insektenhotels bauen und aufstellen. Blumenwiesen für Bienen anlegen. Bäume pflanzen und Müll einsammeln. Secondhand statt Fastfashion shoppen. Regional einkaufen. Es gibt so viele Möglichkeiten das eigene Leben mehr auf Klimaneutralität auszurichten und oft ist das nicht einmal mit großem Aufwand verbunden, spart Geld und hilft oft nicht nur dem Klima, sondern auch anderen Menschen. Die Aufgabe der Politik ist es, die Weichen für ein klimaneutrales Leben zu stellen, entsprechende Forschungsprojekte und Initiativen fördern, die öffentlichen Verkehrsmittel fördern und ausbauen, sodass die Entscheidung auch auf dem Land nicht mehr schwer fällt und Unternehmen mit entsprechenden Gesetzen und Fördermitteln zu motivieren, ihre Produkte möglichst klimaneutral herzustellen, Lieferketten transparenter zu gestalten und unverkaufte Produkte nicht mehr tonnenweise wegzuwerfen, nur weil sie nicht mehr in die aktuelle Kollektion passen oder Platz für neue Ware gebraucht wird. Vor allem nicht, solange sich Containern nur in einer Grauzone bewegt und nicht transparent legal ist. Es gibt so viel Handlungsbedarf, dass ganze Bücher darüber geschrieben werden (können), da reicht es nicht, sich einfach nur um Sex und Freundschaft zu kümmern und zu hoffen, dass sich der Rest von selbst regelt.

Ich will der Welt nicht beim Untergehen zuschauen. Deshalb gehe ich heute protestieren. Deshalb befindet sich der Brief mit meinem Stimmzettel zur Bundestagswahl bereits in der Post. Deshalb rufe ich euch alle dazu auf, nicht darauf zu vertrauen, dass sich irgendjemand darum kümmern wird, die Welt vor dem Untergang für die Menschheit zu bewahren. Deshalb rufe ich euch alle dazu auf, den euch größtmöglichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, euch zu informieren und euch auch dahingehend um eure liebsten Menschen zu sorgen, als dass ihr euch dafür einsetzt, dass die Erde auch in vielen Jahren noch ein lebenswerter Planet ist.

Klimawandel betrifft uns alle. Egal ob hetero, cis, weiß, queer, farbig, privilegiert oder diskriminiert (das bewirkt natürlich, traurigerweise einen enormen Unterschied im Ausmaß der Folgen, aber betroffen sind auch alle privilegierten Menschen), Klimawandel betrifft alle Menschen, Tiere, Pflanzen. Klimawandel betrifft und gefährdet das Leben und Leben ist immer schützenswert!

– Aly